Druckschrift 
1,1 (1925) Mittelalter
Entstehung
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Der mythische und der geschichtliche Walther 363

Mannes Person vor allen Dingen sich möglichst lebendig ver-gegenwärtigen und verständlich machen, die mit starker underprobter Hand sofort alle Fäden der schwierigen Situationergriff und während der nächsten drei Jahre festhielt.

Konrad stammte aus der Familie der Herren von Querfurt,die das Burggrafenamt von Magdeburg besaßen und mit denStaufern verschwägert waren. In der Domschule zu Hildesheim,die Einflüssen französischer Gelehrsamkeit geöffnet war, hatteer seine Bildung empfangen und seine Studien, wie es scheint,in Paris fortgesetzt, wo er mit dem späteren Papst Innocenz III.befreundet wurde, dem er dann als politischer Gegner so scharfentgegentreten sollte. Basch stieg er empor. Im Jahre 1188Hofkapellan Kaiser Friedrichs I., vereinigte er darauf als Propstin Goslar, bald auch in Magdeburg und Aachen einträgliche undeinflußreiche Pfründen, bis er im März 1195 nach der EroberungSiziliens von Heinrich VI. zum Hofkanzler ernannt wurde. Nunfiel ihm das Bistum Hildesheim zu, und jetzt erst endlichempfing er, der nur die niederen Weihen besaß, die Konsekrationzum Priester. Gleich danach sandte ihn der Kaiser zum zweiten-mal nach Italien und nunmehr mit nahezu unbeschränkterVollmacht: unter dem Titel eines Beichslegaten für Italien unddas Königreich Sizilien.

In diesem Amte hat Konrad bis zur Ankunft des Kaisersdie ganze Halbinsel durchzogen, überall die Beichsgewaltsichernd oder wiederherstellend. Er war und blieb in Italiendie rechte Hand der universellen Finanz- und Verwaltungs-politik des gewaltigen Barbarossasohnes, und auch als Feldherrdiente er ihm im Verein mit den großen BeichsministerialenMarkward von Anweiler, Heinrich von Kalden, Konrad vonÜrslingen. Er hatte dort verwirklichen helfen, wie er voll Stolzseinem Freunde, dem Propst Hartbert, nach Hildesheim schrieb,was sie zusammen sonst nur in der Schule, in den Werken deralten Poeten gelesen hatten: das Imperium über den Erdkreisauszudehnen. Als dann der Kaiser selbst in Italien die Zügelergriffen hatte, wird Konrad 1197 beauftragt, besonders inApulien die Flotte für den geplanten Kreuzzug auszurüsten undauf ihr das Kreuzheer als Stellvertreter des Kaisers seinem Herrnvoraus in den Orient zu führen.

Damals nahm er dorthin zwei Kronen (Zirkel) mit sich,um sie an Vasallenkönige, an reguli, anarme Könige" zu ver-