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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

beruht auf einem wunderlichen, längst widerlegten Mißver-ständnis einer ganz klaren Angabe des Chronisten Otto vonSt. Blasien. Aber nach dem übereinstimmenden Zeugnis ver-schiedener gleichzeitiger Gewährsmänner hatte jene ThüringerTeilwahl ihn nur zum König für eine bestimmte Zeit gewählt,nämlich bis zur Ankunft des legitimen Königs, des jungen Fried-rich, in Deutschland. Es wäre nach mittelalterlichem Rechts-begriff ein Königtum durch Prokuratur (per procuratorem)gewesen: ein politisch wie juristisch gleich problematischer Not-behelf. Immerhin konnte die unglückliche Lage der Dinge diesenAusweg erklären. Die einflußreichsten deutschen Reichsfürsten,darunter die mit wichtigen Prärogativen bei der Königs-wahl ausgestatteten beiden, der Erzbischof von Mainz undder Pfalzgraf bei Rhein, ferner der Reichskanzler Konrad vonQuerfurt waren von Deutschland noch abwesend. Abwartenmußte da zunächst die Losung aller legitim Gesinnten sein.Erst als dann im Juni die Nachricht in Deutschland sich ver-breitete, daß der fünfjährige Erbe des Reiches auf Betreibenseiner Mutter, der normannischen Konstanze, am 17. Maizum König von Sizilien gekrönt und dieses sein Königtum zueinem Vasallenstaat des Papstes gemacht worden sei, daß ihmfortan die sizilische Kanzlei den früheren Titel 'der Römerund Siziliens König' entzogen hatte und ihn einfach 'König vonSizilien, dem Herzogtum Apulien und dem Fürstentum Capua'nannte, da mußten in Deutschland auch die Redlichsten vondem stellvertretenden Königtum auf Zeit abkommen undPhilipp die volle, lebenslängliche Königsgewalt, zugleich dasKaisertum wünschen, zumal da gleichzeitig am Rhein diewelfisch-englische Fronde gefährlich vorrückte: Otto war am9. Juni in Köln zum König gekrönt worden, er bedrohte Aachen,um sich an der legitimen Krönungsstätte mit unechtenvielleicht englischen Insignien krönen zu lassen.

In diesen Tagen sicher vor dem 10. Juni hatte nun,wie gesagt, der Reichskanzler Konrad, der soeben ausPalästina herbeigeeilt war, an Philipps Hof die Leitung derköniglichen Kanzlei übernommen.

Im Sinne der Politik dieses Mannes hat Walther den Spruchvon den Zirkeln der armen Könige und der den Waisen enthalten-den Krone der Weltherrschaft gedichtet. Wer Walthers Ein-treten für die Sache Philipps richtig beurteilen will, muß dieses