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Literatur und Kunst des Mittelalters
sammenhang mit den beiden Babenbergern lehrt es — keinanderer als Wolfger, der alte Familienfreund des BabenbergischenHauses, der, als Walther im Jahre 1203 in Wien und in Zeisel-mauer sich bei ihm befand, bereits für das Patriarchat desheiligen Hermagoras auf den venetianischen Lagunen designiertworden war.
Der Spruch von den drei Höfen, das Zeugnis der Reise-rechnungen und alle anderen Erwägungen im Verein erhärten:Walther muß sich lange Zeit Wolfger fest verbunden gefühlthaben.
Das bedeutet aber mehr als eine bloß persönliche Be-rührung. Der handelnde Politiker und der politische Publizistkonnten nicht jahrelang zusammen gehen, falls sie nicht eineGemeinsamkeit, mindestens eine nahe Verwandtschaft derpolitischen Grundanschauungen einte. Wolfger hat den dreideutschen Königen Philipp von Schwaben, Otto von Poitou,Friedrich IL treu und hingebungsvoll gedient. Genau wieWalther. Wolfgers leitendes politisches Prinzip war trotz allernotgedrungenen Winkelzüge: Kaiser ist der legitime Träger derdeutschen Königskrone, und Kaiserrecht steht frei und unab-hängig neben dem Recht des Papstes. Wiederum genau wieWalther. Wolfger hatte zu dem Hause der österreichischenHerzöge nahe Beziehungen, namentlich war er dem HerzogFriedrich, mit dem er zusammen ins heilige Land zog, freund-schaftlich verbunden. Abermals genau wie Walther, der jadankbar diesen Babenberger als seinen Gönner dem ihm übel-wollenden Leopold gegenüberstellt.
Und mehr noch: dieser Wolfger ist gerade in dem Augen-blick nach Deutschland heimgekehrt, als Walther durch dasScheiden seines herzoglichen Gönners am österreichischen Hofden Halt verloren hatte. Sehr möglich, daß Wolfger, in dessenDiözese Walther, wenn nicht geboren, so doch sicherlich währendder entscheidenden Entwicklungsjahre herangewachsen war,dem Dichter die Hand gereicht und den Weg an den königlichenHof Philipps, zu einer Verbindung mit den Leitern der Reichs-kanzlei und mit den Reichshofbeamten geebnet hatte, als erin Wien entwurzelt, gebeugt und gedemütigt umherschlich mitdem schleppenden Gang, für den das Mittelalter den Schritt desPfauen als Symbol nahm, und sich für den Wiener Hof Ersatzsuchen mußte.