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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

baren Nutzanwendung geschlossen:Der Poet hat einen Mantelund einen Rock verdient."

Der Archipoeta, den ersten staufischen StaatsministerRainald von Dassel im Namen des heiligen Martin um einenPelzmantel gegen die Winterkälte bittend, und Walther, vomBischof Wolfger, dem einflußreichsten Ratgeber des staufischenKönigs Philipp, am Tage des heiligen Martin mit einem Pelz-mantel beschenkt das ist ein Parallelismus von förmlichschlagender symbolischer Kraft.

Denn wie Walther der überlegene Schüler des Archipoetain der poetischen Publizistik, so Wolfger ein ebenbürtiger, wennauch vorsichtigerer Nachfahr des stürmischen Rainald. Gleichdiesem war er der hervorragendste Politiker der Zeit, der ziel-bewußteste Vertreter der weltlichen Staatsidee, der wirksamsteVorkämpfer für die Rechte und die Macht des deutschen Reiches,der langjährige Träger jener Politik, die der territorialen Selb-ständigkeit der deutschen Fürsten ein starkes Gegengewichtin der einheitlichen straffen Reichsgewalt über Italien schaffenwollte. An diplomatischem Geschick und an Erfolgen übertrafer Rainald von Dassel. Freilich half er sich über die schwierigstenLagen hinweg durch zweideutiges Spiel dem Papst gegenüberoder auch durch unwürdiges Zurückweichen. Er war gewohnt,in der Vermittelung der Gegensätze zu seinem Ziele den Weg zufinden: durch friedlichen Ausgleich der miteinander ringendenkaiserlichen und päpstlichen Macht suchte er seiner äußerenDoppelstellung als deutscher Reichsfürst und als geistlicherMetropolitan der im Papsttum gipfelnden Kirche gerecht zuwerden. Innerlich aber in seinem Herzen und an den entscheiden-den Wendepunkten, wenn es zu handeln galt, hielt er auch mitder Tat als ergebener Diener fest zum Reich. Und er war einreinlicherer Charakter als die beiden anderen leitenden Beamtender deutschen Reichspolitik, Konrad v. Querfurt, der Bischofvon Hildesheim und Würzburg, und Konrad v. Speier, Bischofvon Speier, die Vorsteher der königlichen Kanzlei. Mochte erin der Politik auch dafür sorgen, daß sein eigener Vorteil nichtzu kurz kam, immer hat er seinem königlichen Herrn ehrlichdie Treue gehalten.

Wolfger besaß eine gelehrte Bildung: man verehrte ihn alsAutorität des kanonischen Rechts. Ein deutscher Jurist,Eilbert von Bremen, hat ihm einen poetischen Abriß des kano-