Druckschrift 
1,1 (1925) Mittelalter
Entstehung
Seite
351
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Der mythische und der geschichtliche Walther 351;

bis zur ungarischen Grenze und einer an die zweite sich an-schließenden Reise nach Italien ausgestellt worden sind. DieNotizen umfassen die Zeit vom 22. September 1203 bis zurzweiten Hälfte des Januar 1204 und von Mitte März bis EndeJuli 1204. Nur teilweise sind es gleichzeitige Originalaufzeich-nungen von Einnahmen und Ausgaben, im übrigen Rein-schriften, die nach der Heimkehr zur genaueren Kontrolle derRechnungsführung ein bischöflicher Beamter hergestellt hat.

In diesen Rechnungen findet sich die Eintragung, daß inZeiselmauer an der Donau unweit Wiendem Sänger Walthervon der Vogelweide fünf Solidi für einen Pelzmantel (pro pellicio)"gezahlt wurden. Es war dies haben mühseligste Unter-suchungen, die zuletzt an den aus Italien nach Leipzig über-sandten Manuskripten selbst angestellt worden sind, unwider-leglich ermittelt am 12. November des Jahres 1203.

In diesen Reiserechnungen erscheint der Bischof als einMann, der sein Leben auf größtem Fuß führt und sich jedenweltlichen Luxus der damaligen Zeit verschafft. Überall hinbegleitet ihn ein Troß von Beamten und Dienern, die für dieBäckerei, für den Vorrat an Wein, für die Küche zu sorgenhaben. Als er die Donau hinab fährt nach Passau, ward für diepaar Tage auf dem Schiffe eine regelrechte Küche installiert.Ein zahlreiches Personal sorgt für Obhut und Fütterung dermitziehenden Pferde, ein anderes für die Wartung der dressiertenFalken. Denn der Bischof ist ein eifriger Freund der ritterlichenBeize und vernachlässigt dieses Vergnügen auch auf der Reisenicht. Bezieht er ein Nachtquartier, dann werden um beträcht-liche Summen Blumen und Klee für ihn gekauft, den Estrichder Zimmer zu bestreuen. Selbstverständlich erscheinen unterden Ausgaben auch erhebliche Posten für Barbiere, die dasGesicht des gnädigsten Herrn und seiner geistlichen Begleitunghofgemäß zu glätten haben; hier und da macht er unterwegsEinkäufe, erwirbt ein zierliches Kunstwerk, z. B. ein geschnitztesWürfelspiel; oder ein edles Pferd. Aber keines seiner Interessengleicht seiner Vorliebe für fahrende Dichter, Musikanten,Gaukler und Sängerinnen: die istriones, ioculatores, mimi;gigarii und discantatores (Sänger, die den kunstvollen zwei-stimmigen Gesang, den discantus, verstehen), die ioculatores cumcultellis (Messerwerfer); die leichtgeschürzten und leichtgesinntenioculatrices und puellae cantantes. Scharenweise umschwirren