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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

in Meißen, in Kärnthen, am Rhein Politik und persönliches Ver-halten deutscher Reichsfürsten zu beraten, zu verwarnen, zukritisieren, zu belobigen und zu verhöhnen herausgenommen.Der gefürchtete Streiter wider päpstliche Omnipotenz und kirch-liche Entartung war zwei hohen geistlichen Höfen eng verbunden:dem Patriarchen von Aquileia, dem Erzbischof Engelbert vonKöln. Vom ritterlichen Hofminnesänger in Wien bringt er eszum politischen Reichsherold, zum patriotischen Sittenprediger,zum poetischen Agenten für den Kreuzzug. An den Höfen suchtund findet er sein Publikum. Aber fortwährend hören wir ihndoch auch klagen über Neider, Klätscher, Verkehrer seines Sangsunter dem Hofpersonal, über mißgünstige Rivalen unter denKollegen, über andere fahrende Sänger, welche die Kunstschänden.

Literarische Gegensätze also haben ihm das Leben schwergemacht neben all der Feindschaft, die ihm seine politischeDichtung einbringen mußte. Wie seine literarischen Gegner aus-sahen, verrät er uns zum Teil sehr deutlich selbst.

Dem Grafen von Katzenellenbogen wirft er voll Stolz undÄrger vor, daß er lieberdie Schnarrenzer aus Polen oder Ruß-land" alsdie hofeswerten Meister" belohne. Das geht gegendie ungebildeteren Spielleute aus dem Norden und OstenDeutschlands, die der Österreicher für halbe Slaven ausgibt.Es ist derselbe Gegensatz, dem wenig später sein Schüler, derSchwabe Konrad Marner gegen den Niedersachsen RaumslandAusdruck verleiht. Walther fühlt sich als ein edler, als einhöfischer Dichter unter den Fahrenden. Diese seine Lebens-weise, die auf Gaben angewiesen ist, verbirgt er nicht. Abermit köstlichem Humor weiß er über seine Stellung zu scherzen:in dem bekannten Lied auf das Kleid der Geliebten, ihre Rein-heit, das einzige getragene Gewand, das er als Geschenk an-nehme, um das selbst der Kaiser Spielmann werden würde. Inaller Armut also, über die Walther während seines Wanderlebensoft genug klagt, hat er, wie es scheint, erniedrigende Gabenimmer verschmäht.

Im Jahre 1874 hat uns ein unerwarteter zufälliger Fundeinen sicheren Einblick in Walthers materielle Existenz eröffnet.Man entdeckte damals im Archiv zu Cividale in Friaul achtPergamentstreifen mit Rechnungen, die für Bischof Wolfgervon Pas sau während zweier Reisen durch Bayern, Österreich,