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1,1 (1925) Mittelalter
Entstehung
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Der Ursprung des mittelalterlichen Minnesangs 331

führungen genügen, um die Behauptung in dem Exkurs zu meinerAbhandlung über die ursprüngliche Gestalt des WestpstlichenDivan (Sitzungsberichte 1904, S. 90.0) zu begründe^, daß 4 ermittelalterliche Minnesang, der mittelalterliche rornarjtischeLiebesbegriff, Minnedienst und Frauenkult aus einer alten litera-rischen, Tradition, aus einem Schema panegyrisch-erotischerHof dichtung stammen und durch Vermittjung persischer Poesjeund Hofkultur, als ein Bestandteil der Iranisierung 4 errömischrhellenistischen Geisteswelt, zurückgehen aufdie griechischen Vorbilder, -welche dieorientalisierte Alexan-drinische Hofdichtung in huldigenden Dienstgedichten an fürst-liche Frauen geschaffen hatte. In welchem Verhältnis jene vpnmir vorausgesetzte hellenistische Urform des literarischenSchemas, dem Minnedienst, Minnesang und Frauenkult ent-sprangen, orientalische und hellenische Elemente vereinigte, obeins vpn beiden und welches das Übergewicht hatte, wage ichnicht zu entscheiden.

Durch die Vermutung, daß die spanisch-arabische Liebes-dichtung einen bestimmenden Anteil habe an der Entstehungdes mittelalterlichen Minnesangs und Frauenkults, wird übrigensdie Einwirkung anderer orientalischer Literaturgebiete nophkeineswegs ausgeschlossen. Zunächst käme Sizilien 1 ) in Be-tracht. Manche hervorragende muslimische Dichter verließenallerdings die Insel nach ihrer Eroberung durch die Normannenund begaben sich an die arabischen Fürstenhöfe in Spanien: soder bedeutendste, der 1056 zu Syrakus geborne Ibn Hamdis,der einer der literarischen Zierden wurde am Hof des selberdichterisch hochbegabten Sultan Mütamid von Sevilla; auchAbül Arab fand dort eine Zufluchtsstätte, ebenso ging Ibn Kattadamals in die Verbannung. Zwischen dieser spanischen und sizi-lischen Hofpoesie arabischer Dichter bestand demgemäß engsteFühlung. Aber ich finde weder unter den Gedichten der Ge-flüchteten noch der Zurückgebliebenen, die am Hofe der nor-mannischen Herrscher, wo bekanntlich in weitem Umfangmuhammedanische Sitten herrschten, in hoher Gunst standen,die charakteristischen Züge hervortretend, welche die Minne-

Mischform in primitiver, orientalischer Dichtung wie in der griechischenund lateinischen Literatur erörtert.*

J ) Vgl. über die arabischen Dichter Siziliens S c h a c k, Poesie undKunst der Araber in Spanien und Sizilien Bd. 2, S. 645.