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Literatur und Kunst des Mittelalters
lyrik der Troubadours vorbereiten. Anderseits denkt mannatürlich auch an die arabische Poesie in den fränkischenKreuzfahrerstaaten des Orients. Doch sind die von hier dasAbendland treffenden literarischen Einflüsse, die ich hoch an-schlage auf epischem Gebiete, schon zu spät, um die Anfängeder Troubadourpoesie aus ihnen ableiten zu können. Immerhinverdient genaue Erwägung, daß der älteste Trobador, GrafGuilhem von Poitou anläßlich einer Kreuzfahrt von 1100ab drei Jahre lang sich im Orient, in Konstantinopel, Kleinasien,Antiochia, Jerusalem aufgehalten hat, unter wechselnden aben-teuerlichen Umständen, zeitweise sich durchbettelnd, mitarabischer Sitte und Dichtung also auch dort sich vertraut ge-macht haben wird. Ich halte es für möglich, daß er auch dortpoetische Anregungen empfangen hat.
Welche Wege die Einwirkung der erotischen und panegy-rischen Hofpoesie der Araber auf die südfranzösische Lyrik ge-gangen ist, dies im einzelnen zu ermitteln, gelingt vielleicht derkünftigen Forschung 1 ). Jedenfalls muß die früher beliebte An-nahme, daß erst die Kreuzzüge diese Einwirkung ermöglichtund eröffnet hätten, abgelehnt werden. Denn die Anfänge desMinnesangs und Frauendienstes der Trobadors sind älter. Auf-gegeben muß aber auch die Meinung werden, die Jacob Grimm(Deutsche Mythologie 3 Vorrede S. VIII) jener Kreuzzugs-hypothese entgegenstellt: „Sollen Übergänge aus dem Morgen-land angenommen werden, so lassen sich solche bequemer vondem ruhigeren altern Verkehr der Goten und Nordmänner mitdem griechischen Reiche leiten." Und ungangbar ist der Ausweg*dem Jacob Grimm sich zuzuneigen scheint, „fast alle Ähnlich-
J ) Die oben S. 254 in der Vorbemerkung angekündigte Unter-suchung S. Singers erscheint im laufenden Jahrgang der Abhand-lungen unserer Akademie, 1918, Philos.-Histor. Klasse Nr. 13. * Vgl.ferner Franz Rolf Schröder, Skandinavien und der Orientim Mittel-alter, Germanisch-Romanische Monatsschrift 1920, S. 204—215, 281bis 290; C. H. Becker, Der Jslam im Rahmen einer allgemeinen Kultur-geschichte, Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen GesellschaftBd. 76 (1922), S. 18-35; ehester Nathan Gould, The Fria^jdfssagaan Oriental Tale, Skandinavian Studies and Notes Vol. VII, August 1923,S. 219—250; Protokoll der Fachsitzungen des Deutschen Orientalisten-tages Berlin 9.— 11. April 1923, Zeitschr. d. Deutschen Morgenland.Gesellschaft, Bd. 77 (1923), S. VIII („Zur Frage der Herkunft des Minne-sangs").*