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Literatur und Kunst des Mittelalters
hatte persisches Blut in den Adern der in der GesellschaftHarun ar-Raschids lebende, als Liebesdichter glänzende Abb äsIbn Achnaf (f 803), von dem Hammer (a. a. 0. I, 3, S. 571)ein wunderschönes Lied gibt, worin der Liebende im Trennungs-schmerz nachts schlaflos mit zerschnittenem Herzen und zer-stochenen Augen den Wandel der Sterne wie einen ohne Führerumherirrenden Blinden verfolgt. So war von persischer Her-kunft der größte Dichter dieser Periode der geniale Abu Nuwäs(geb. 747 oder 762, f 806—813), den man den arabischen Hein-rich Heine genannt hat 1 ). Die Liebespoesie dieser Dichterschlägt frivole, ja zynische Töne an und scheint insofern geradeden Gegenpol des Minnesangs darzustellen. Aber sie gebietetdaneben über eine Frische, Zartheit und Innigkeit der Liebes-empfindung, die dennoch auch sie als ein Glied in der Vorbe-reitung einer selbständigeren lyrischen Kunst, einer subjektivenErotik erkennen lehrt.
Persischen Ursprungs war der romantische Liebes-roman in Versen. Schon zur Zeit des Propheten Muhammedwaren persische Heldensagen nach Mekka gedrungen, und amHofe des persischen Vasallenstaates Hira haben persische Er-zählungen den islamischen frommen Legenden erfolgreich Kon-kurrenz gemacht 2 ). Seit der Unterwerfung der Perser durch dieAraber wuchs das Bedürfnis der literarischen Annäherung, zu-mal unter den Abbässiden die persischen Adelsfamilien an die
Er töte nur die Trägen, die nichts wert." Das ist auch ein Lieblings-gedanke der Trobadors und Minnesänger. Ein anderes (S. 515f.) redetvon dem den Schlaf scheuchenden Traumgesicht des Liebenden undschließt: „Der Liebe Siegel ist auf meinen Hals gedrückt, des SiegelsOrt ist Band, das mich in Pflicht verstrickt." Ihm glücken Verse wie:„Die Poesie erblüht als Licht der Flur, Indem sie ein Erzeugnis derNatur" (S. 513) oder „Ich wache morgens auf mit Wissen, Doch abendsist mein Sinn zerrissen" (S. 515). Und seinen parsischen Sinn bekenntder Freigeist, der durch eine Parodie des islamischen Gebetsrufs seineHinrichtung herbeiführte, in Versen wie: „Die Erd' ist finster und dasFeuer licht, Drum wird die Erde angebetet nicht" (S. 514).
x ) Vgl. Brockelmann, Gesch. d. arab. Lit. 1898, 1. S. 71f.73. 74. 75f., 1901 S. 80.
2 ) In Hira hörte um 620 ein mekkanischer Kaufmann eine Erzählungvom Kampf Rustams und Isfandjärs, ein Stück also der iranischenHeldensage, die ihm und nachher seinen Landsleuten viel besser gefiel alsdie Prophetengeschichten: Nöldeke in Geiger-Kuhns Grundriß deriranischen Philologie II, S. 139, Anm. 8.