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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur uud Kunst des Mittelalters

freilich in den naiven Gemütern der arabischen Halbbarbarenleicht Anstoß erregen konnte. Es kann dabei nicht ernst genugdie Frage erwogen werden, ob und in welcher Weise denn diein Hira sehr starken christlichen Einflüsse 1 ) bereits den roh-sinnlichen Charakter der arabischen Liebespoesie zu vergeistigenmitgewirkt haben.

Erst nach dem Siege der auf persischen Anhang siphstützenden Abbässiden über die Omaijaden (750) macht sichdas vom arabischen Chalifat bis dahin niedergehaltene Persertumwieder Luft, und in diese Zeit werden einzelne uns erhalteneKasslden gesetzt. Neupersische Sage freilich, die Goethe zwei-mal, im Divan (Buch Suleika, Weim. 6, S. 180, Jub. 5, S. 84)und im Helena-Akt des Faust, künstlerisch erneut hat, berichtetvon einer weit früheren Entstehung gereimter Liebeslyrik imnationalpersischen Fürstenkreise: dem Sassänidenkönig Bech-rämgür (420438) soll im Liebesgespräch mit seiner GeliebtenDiläräm aus Rede und Gegenrede sich Reim und Rhythmus ent-faltet haben. Und da Bechrämgür am Vasallenhof zu Hira beidem arabischen Fürsten Mundhir gelebt hat, so kämen wir mitdiesem Zeugnis wieder an jene Stelle 2 ), wo in der Berührung

!) Vgl. Brockelmann 1, S. 29f., 1901 S. 35f. Bei Näbigha selbstfinden sich christliche Anklänge. Als hervorragender christlicher Hof-dichter und Gesandter bei diplomatischen Verhandlungen lebte zuHira im 6. Jahrhundert der besonders durch seine Weinlieder berühmteAd! Ibn Said, dessen Vater am persischen Hof erzogen war. InAlexander Baumgartners Geschichte der Weltliteratur Bd. 1,Freiburg, Herder, 1901 ist ein ganzes Kapitel (S. 324348) betitelt'Die altarabische Dichtung und das Christentum', dann ein eigenerAbschnitt 'Näbigha, der Hofpoet von Hira', ein anderer 'ChristlicheEinflüsse'. Aber was der Verfasser an eigenem bietet, sind eigentlichnur mehrere Nachweise gelehrter Literatur und einige einseitige übel-wollende moralisch-ästhetische Urteile.

2 ) Es ist eine eigene Fügung, daß der Schauplatz dieser für diefrühmittelalterliche Weltkultur so bedeutungsvollen Kulturmischung,der Königspalast von Chawarnak, in dem einst der durch Goethe auchuns lebendige Bechrämgür aufgewachsen war und dessen Erbauungmit märchenhaften Zügen ausgeschmückt wurde (Aug. Müller, Der IslamI, S. 17; Justi in Geiger-Kuhns Grundr. d. iran. Philologie II, S. 527),noch heute in Ruinen sichtbar ist. Der Glanz, der von hier über diearabische Welt ausstrahlte, lebte lange fort. Dieser Palast blieb dasIdeal königlicher Macht. Noch in der zweiten Hälfte des 11. Jahr-hunderts wußte der sizilische Dichter Ibn Hamdis (s. unten S. 331) einherrliches Schloß seines Gönners, des spanischen Hammadiden AI Manßur