Der Ursprung des mittelalterlichen Minnesangs 325
bildlichen Darstellungen hervor. Als Musikinstrumente kommendie Harfe und vor allem die Laute vor. Charakteristisch fürdie Bedeutung der Musik am ganz persisch orientierten Hofeder Abbasiden - Chalifen von Bagdad ist die in unseremMünzkabinett befindliche Porträtmedaille des Chalifen el-Muktadir billah (908—932 n. Chr.), auf der der als Lebe-mann bekannte Beherrscher der Gläubigen einmal als Zechermit dem Becher in der Hand, und auf der Rückseite mit derviersaitigen Laute im Arm als Musikfreund dargestellt ist.In allen kunstgewerblichen Erzeugnissen des Mittelalters spieltinnerhalb des persisch-islamischen Kunstkreises die Dar-stellung des Lautenspielers und überhaupt der Musik einegroße Rolle. Noch heute gibt es im Kurdengebiet "Volkssänger,die zum primitiven Saiteninstrument volkstümliche Liedervortragen. Im Frühjahr 1917 traf ich auf dem Wege zwischenKermanschah und Hamadan einen solchen Barden, der dieKriegsereignisse der Gegend, wie sie sich im vergangenenJahre während unserer (und der mit uns verbündeten Türken)Kämpfe mit den Russen abgespielt haben, vortrug. Es warmir sehr amüsant, daß ich selbst, der ich zu jener Zeit Kriegs-konsul von Kermanschah gewesen war, in jenen Liedern eineRolle spielte. *
Auf uns gekommen ist von jener vorauszusetzenden ero-tischen persischen Hoflyrik aus vor- und frühislämischen Zeitnichts. Aber der berühmte, zu den sechs großen vorislämischenarabischen Poeten gerechnete Hof dichter Näbigha am Hof derpersischen Vasallenkönige zu Hlra, der dort, wie oben (S. 293f.)erwähnt, durch eine — doch wohl als berufsmäßige poetischeHuldigung gedachte, vielleicht sogar bestellte — allzu beredteund indiskrete Beschreibung der Schönheiten der Königin dieEifersucht ihres Gemahls und eines anderen Hofdichters, derihr heimlicher Liebhaber war, erregt hatte, deshalb in Ungnadefiel und zum Hof der unter byzantinischem Einfluß stehendenchristlichen Ghassaniden nach Damaskus floh, wo er eine neueStellung als Hofdichter fand, kann uns, denke ich, lehren, wieim Schnittpunkt persischer poetischer Hof kunst und altarabischerdichterischer Tradition zu Ende des 6. Jahrhunderts n. Chr. diepoetische erotische Hofpanegyrik beschaffen war, unddaß sie bereits als einen festen Typus die Verherrlichung derfürstlichen Herrin mit minniglichen Farben gekannt hat, der