Druckschrift 
1,1 (1925) Mittelalter
Entstehung
Seite
323
Einzelbild herunterladen
 

Der Ursprung des mittelalterlichen Minnesangs 323

bei seiner Thronbesteigung 742 an seinen Hof nach Damaskus(Brockelmanri, Gesch. d. arab. Lit. 1898 1, S. 49). Ein andererDichter dieser Zeit von persischer Abstammung war IsmailIbn JäSär (Brockelmänn 1898 1, S. 62, Nr. 9).

Das ganze Problem hat eine musikgeschichtliche Seite,der näherzutreten besonders reizvoll und, wie ich glaube, aUchfruchtbar wäre. Vielleicht kommt gerade aus der Ge'sfchichteder Musikinstrumente, die noch sehr unzureichend erforsfchtist, neues Licht. Die nächstliegende Vermutung ist, daß unser'Laute', bekanntlich ein Lehnwort aus dem Arabischen (el '4,3)ein sicheres Symptom für die literarische Entwicklung sei, unddaß; wie dieses Instrument, mit dem arabische und persischeLiebeslyrik seit alter Zeit begleitet wurde (s. oben S. 321),den Arabern von den Persern und diesen aus Ägypten kam 1 ),gleichzeitig auch die gesungene erotische Hofpoesife denselbenWeg genommen habe. Aber 'Laute' ist erst aus spätmittel-hochdeutscher Zeit (Mte) belegt, und das gewöhnliche Instrumentfür die Begleitung der Trobadorlieder war die Geige, wenn auchdaneben die Harfe vorkam. Die eigentliche Laute scheint imAbendland erst etwas später gebräuchlich zu werden. 1 )

[*Zu den vorstehenden Ausführungen schrieb mir Uni-versitätsprofessor Dr. Gurt Sachs am 24. Januar 1919 dasFolgende:Sie selbst haben schon auf die arabische Herkunftvon mhd. lute hingewiesen. Ich darf diesen Hinweis vielleichtdurch ein paar Punkte ergänzen. 1349 wird unter den Mene-triers des Normannenherzogs ein Jean Richart Vabbe de laguiterre moresche genannt. Nebenbei gesagt, kann das kaäti-lische Stammwort guitarra nicht von lat. cithära kommen;die Media bliebe unerklärt. Sie setzt voraus, daß die Spanierarab. qüära (von yu&ÜQu) hörten, dessen emphatischer Guttufal-anlaut im Klang dem g nahekommt. Auch die 'Geige', d. h.das dreisaitige, keulenförmige Streichinstrument (rebec, cfigue)ist Deutschland, dem Land der videl, von dem arabischenSpanien her zugebracht worden; das Mhd. quittiert darüberam Ende des 13. Jahrh. mit dem Wort ravenn (Reinfried v.Braunschweig V. 2394), das über altkastil. rabeh von arab.

x ) Vgl. Hugo Riemann, Musik-Lexikon, 5. Aufl., Leipzig, M. Hesse,1900, s. v. 'Araber und Perser', 'Laute', 'Messel', S. 40ff. 637, 726(9. Aufl. 1919, S. 36 ff. 656 ff. 753), wo auch weitere Literatur-nachweise.

21*