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1,1 (1925) Mittelalter
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321
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Der Ursprung des mittelalterlichen Minnesangs 321

bestand die Sitte, bei Gastmählern und Festen Sängerinnen auf-treten zu lassen, die man für hohe Summen aus den angrenzen-den byzantinischen und persischen Provinzen, besonders aus dempersischen Vasallenkönigreich Hira an der syrischen Wüste(s. oben S. 292, 293 f.), zu beziehen pflegte. Es waren griechischeoder persische Sängerinnen. Und sie sangen anfangs auch inihrer Sprache, nicht arabisch. Erst in der zweiten Hälfte des7. Jahrhunderts, mehr als fünfzig Jahre nach der Hedschra,entstand zunächst in Mekka und etwas später in Medina einerein arabische Schule kunstmäßigen Gesangs. Das Neue an dieserpersischen Poesie und ihrer arabischen Nachahmung war dieArt der melodischen Verbindung der Stimme mit instrumen-taler Begleitung zu einer kunstmäßigen Lyrik. Eine unbe-gleitete Deklamation nach Art des musikalischen Rezitativs hates in Arabien dagegen schon seit frühester Urzeit gegeben. Siewar autochthon.

In der Zeit des Omaijaden-Chalifats von Damaskus ver-stärkte sich dieser persische Kulturstrom. Von persischenKriegsgefangenen lernte man in Mekka Gesänge zur Laute undzum Tamburin, zur Handtrommel und Schalmei. Der arabischeDichter Ibn Mosaggih führte persische Tonweisen ins Arabischeein, die er von persischen Handwerkern beim Bau der Kaabagehört. Seine Nachbildungen hatten in Mekka den größtenErfolg und machten allgemeines Aufsehen. Sie erregten dieAufmerksamkeit des Statthalters des Chalifen, der darüber nachDamaskus berichtete. Nun kam vom Chalifen der Befehl, denbewunderten Sänger nach Damaskus zu senden. Dort gründeteder Meister der neuen Lyrik eine Schule für Sängerinnen undbildete zwei hervorragend begabte Männer, Maabad und Gharid,zu Sängern aus nach dem Muster seiner Kunst. Das sind alsodie ältesten, uns mit Namen bekannten Hof dichter des arabischenChalifats. Von Maabad besitzen wir noch ein charakteristischesGedicht (A. v. Kremer, a. a. 0. 1, S. 42), das mir besonders sinn-fällig die Zukunftskeime zu bergen scheint, daraus der spätereandalusische Minnesang entsprossen ist:

O Genossen, gebt mir eine Stunde nur der Frist

Hier an dieser Stätte, die mir voll Erinnrung ist,

Drängt nicht, wenn ich hier auf Azzäs Zeltplatz stehe,

Den ich in der öden Wüste menschenleer nun sehe.

Sprecht zu diesem halbgenesnen Herzen: 'Liebe -wieder!'

Burdach, Vorspiel. 21