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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

Kampf und verlangender Liebe durchglühten Liedern hört maneinen Vorklang mittelalterlicher Liebes- und Ritterromantik undjedesfalls wirkte sein Bild und seine Poesie unter den Arabernfort als ein ideales Muster eines Fürsten, der ritterliche unddichterische Kraft in Krieg und in Minne bewährt. In seinermenschlichen und literarischen Persönlichkeit verflicht sichalte Kultur der überreifen hellenistisch-persisch-byzantinischenWelt seltsam mit den aufsprießenden Ranken einer jugendlichennaiven Poesie, die aus einer ganz neuen, urwüchsigen Weltstammt und daher die Zukunft befruchtet.

Das oben (S. 308ff.) besprochene Zeugnis über Jachjä elGasäl, das Graf Schack mitteilte, ohne ihm geschichtlicheFolgerungen abzugewinnen, kann den Anschein erwecken, alsob jener andalusische Hofpoet, der als Gesandter des Emirs vonCordova zum Kaiser nach Byzanz kam und ihn wie seine Ge-mahlin durch eine poetische Huldigung bezauberte, dorthin eineNovität gebracht und deshalb solchen Eindruck gemacht hätte.Wir haben nun gerade für die Zeit vom 7. bis zum 9. Jahrhundertvon der byzantinischen Poesie nur eine höchst mangelhafteKenntnis: es ist die dunkle Kluft in der byzantinischen Literatur-entwicklung (Krumbacher, Gesch. d. byzantin. Literatur 2 ,S. 646. 712). Bestanden hat dort eine Hofpanegyrik, die sichan den Kaiser und auch allein an die Kaiserin richtete. Aberwenn unsere bisherige Kunde davon einigermaßen der Wirk-lichkeit entspricht, fehlt ihr das quellende, inbrünstige, schwär-merische Element der arabischen Galanterie des 9. Jahrhunderts.Es überwog in ihr das Rednerische, das direkt Bettelnde, unddaneben die Kunstform des Epigramms, des historischen Gelegen-heitsgedichtes. Gesandtenreden, höfische Deklamationen ein-zelner Stände sind uns-dagegen für Byzanz reichlich bezeugt.

So bleibt mit Sicherheit nur die zweite Kulturbrücke alsWeg, auf dem die Alexandrinische Hofkunst die werdende alt-arabische Lyrik befruchtet hat: der persische Königshof.

Daß die lyrische Kunstpoesie der Araber in der uns vor-liegenden literarischen Form persischen Ursprungs oder min-destens von Persien entscheidend bestimmt ist, unterliegt, sovielich sehen kann, keinem Zweifel 1 ). Schon im arabischen Altertum

*) Das Folgende nach A. v. Kremer, Kulturgeschichte desOrients unter den Chalifen Bd. 1 (1875), S. 27f., 40; vgl. Brockel-mann 1898 Bd. 1, S. 15.