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Literatur und Kunst des Mittelalters
zur vollkommenen Abgeschmacktheit versteigen, deren GipfelKallimachus erreichte in jener, aus Catulls Nachahmung [C. 66]so bekannten Elegie auf das von der astronomischen Courtoisiedes Konon unter die Sternbilder versetzte Haar der KöniginBerenice. Die Zustände der Höfe mögen also am besten dengalanten Ton der hellenistischen Dichtung erklären: wenn dochin Wahrheit 'in allen souveränen Staaten der Gehalt für dieDichtung von oben herunter kommt' (Goethe, Wahrheit undDichtung, Buch 7)." . . . „Im wirklichen Leben entwickelte sichhöchstens den Hetären gegenüber eine gewisse Ritterlichkeit,die nun freilich mit einem sehr unangenehmen Zusatz frivolerSentimentalität versetzt war." Vgl. dazu Auguste C o u a t, Lapoesie Alexandrine sous les trois premiers Ptolem^es (324—222av. I.-C), Paris 1882, S. 24f., wo besonders betont wird, daß auchden Geliebten der Herrscher in gleicher Weise gehuldigt wurdeund daß neben den Hetären doch auch das abgeschlossenlebende junge Mädchen 'les messages d'amour' recht wohl kannte(Kallimachos Fragm. 118), daß auch die Stellung der Ehefrauenfreier geworden war.
Wenn hier die Ausdrücke 'galant' und 'sentimental' vonder hellenistischen Hofpanegyrik gebraucht werden, so muß manallerdings sagen: die Galanterie dieser Kunst, soweit aus denerhaltenen Resten und den römischen Nachbildungen geurteiltwerden kann, bleibt gebunden an epische Form, schleppt vielmythologischen Ballast mit sich und ist erfüllt von Rhetorik.Die poetische Gattung, deren sich diese Hofpanegyrik für fürst-liche Frauen bedient, ist, wenn auch das Epigramm daranstark beteiligt war, überwiegend doch die erotische Er-zählung mit lyrischem Einschlag: im Versmaß der Elegie, die—ursprünglich Klagegesang zur Flöte — für den musikalischenVortrag bestimmt war und immer ein gewisses latentes musi-kalisches Element bewahrt, zeigt sie allerdings äußerlich epischeForm, legt aber auf die rührenden Gefühlsbewegungen den eigent-lichen Nachdruck, bevorzugt daher lyrische Empfindungsergüsseund Ausmalung pathetischer Situationen und behandelt über-haupt nicht,,mehr die Tat, sondern die Leidenschaft als die Haupt-angelegenheit des Daseins" (Rohde S. 139ff. 109. 119). Aberob der huldigende hellenistische Enkomiast zu seiner Gebieterinein persönliches gefühlsmäßiges Verhältnis gehabt oder fingiert,ob er seine höfische Anbetung auch schon in subjektiv-erotischer