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1,1 (1925) Mittelalter
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315
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Der Ursprung des mittelalterlichen Minnesangs 315

tion, ja literarischer Entlehnung trägt. Doch bleiben wir beidem, was hier allein in Frage steht: sind die minniglichen pane-gyrischen Huldigungen der Hof dichter vor hochgestellten Frauenautochthon arabisch? Ich glaube nicht.

Sie sind, wenn nicht alles täuscht, ein älterer, d. h. imsechsten Jahrhundert bereits traditioneller Besitz orientalischerHofsitte und Hofpolitik. Ich muß mich zur Erhärtung dieserAnsicht hier auf kürzeste Andeutungen beschränken.

Ich verweise vor allem auf Erwin Rohdes zusammen-fassende Charakteristik der hellenistischen Poesie (Der griechischeRoman, 1. Aufl., S. 59ff.): der Grundton der poetischen Emp-findungen des Alexandrinischen Zeitalters ist die Erotik; dieLiebe ist damals in den Rang der obersten poetischen Leiden-schaft eingesetzt worden. Die veränderte literarische Rolle derFrau, das literarische Überwiegen des Motivs der Frauenliebe,das Aufkommen einer sentimentalen und galanten Richtung inder Darstellung der Liebe scheint von den höchsten Kreisenausgegangen zu sein, wo sich eine völlige Emanzipation derFrauen erkennen läßt. Mazedonische und griechische Frauenfürstlichen Standes bewähren eine männliche Kraft und Kühn-heit, politische Einsicht und mehr als weibliche Energie.

Erwin Rhode, a. a. 0. S. 64:So zeigen sich an den großenund kleinen Königshöfen die Frauen einflußreich und tätig: beiLysimachus die gewalttätige Arsinoe, die, sehr gegen seinenWillen, die edle Amastris verdrängt; in Epirus außer der LanassaDeidamia, des Pyrrhus Tochter; am Seleucidenhof eine ganzeReihe intriganter Fürstinnen: Laodice, Stratonice, Kleopatrau. a. Ganz vorzüglich treten am ptolemäischen Hofedie Frauen heraus: Berenice, die Gattin des PtolemaeusLagi; Arsinoe, die Schwester und (nach ihres ersten Gemahles,des Lysimachus, Tode) Gattin des Philadelphus; vor allenBerenice, die Frau des Euergetes. In diesen Monarchienregierten also ganz eigentlich die Frauen. Hier vor-nehmlich, an dem Hauptsitze der gelehrtenDichtungjener Zeit, wurde es auch Sitte, den vornehmenFrauen poetische Huldigungen darzubringen: wie dieKöniginnen zugleich mit ihren Gatten den Götterneingereiht wurden, so durfte nun auch der Hofpoetnicht säumen, neben dem König die Königin zu preisen,... ja er konnte sich, im Übermaß galanter Devotion, bis

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