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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

minnigliche Dienstlied der arabischen Hofpoesie Andalusiens isteine Fort- und Umbildung einer bereits in der früh- und vor-islämischen Dichtung der Araber bestehenden Gattung. Abersind wir nun damit am Ziel unserer geschichtlichen Ableitung?

Es ist, soweit ich zu urteilen wagen darf, von der Bewunde-rung, die Goethe bekanntlich dem urwüchsigen Naturwesen dervorislämischen arabischen Poesie entgegenbrachte, wohl immernoch ein ziemlicher Rest lebendig auch im allgemeinen wissen-schaftlichen Bewußtsein. Graf Schack, sicherlich ein Kenner undverständnisvoller Beurteiler der arabischen Literatur, hat dieAnsicht sehr nachdrücklich verfochten, den Arabern sei diePoesie anderer Völker zu allen Zeiten und überall unbekanntgeblieben (a. a. 0. 1, S. 99). Aber ohne das fachmännische Urteileines Orientalisten zu beanspruchen, muß ich gestehen, daß ichan die Ursprünglichkeit, an die primitive Kunst der vorislämischenarabischen Lyrik, z. B. der Muallaqät, des Diwan des Imruulqais,der Hamäsa nicht glaube. Und ich möchte den Grafen Schackgegen sich selbst mir zum Zeugen rufen. Er spricht (a. a. 0. 1,S. 11) seine Verwunderung aus über den in der vorislämischenDichtkunst der Araber ihm auffallenden Kontrast zwischenInhalt und Form:auf der einen Seite die wilden Leidenschafteneiner barbarischen Zeit, Mordbegier und Rachedurst; auf derandern eine Subtilität der Sprache, eine gesuchte Feinheit desAusdrucks, als ob das Gedicht geschrieben wäre, um irgendeinKapitel der Grammatik zu illustrieren". Und er sagt als eingründlicher vielseitiger Kenner der Weltliteratur sehr richtig:Eine solche Erscheinung steht als Ausnahme in der ganzenLiteratur da." Ich, vom Standpunkte vergleichender Literatur-wissenschaft, ziehe aber daraus den einzig zulässigen Schluß:eine solche Erscheinung, die allen unseren sonstigen Erfahrungenim Bereich der Poesiegeschichte widerspricht, kann in Wirklich-keit nicht existieren. Schacks Erklärungsversuch, die denArabernvon alters her" am Herzen liegendeKenntnis der Ge-setze und Reichtümer ihrer Sprache", hilft nichts; er bringtvielmehr eine zweite, vielleicht noch größere Unmöglichkeit,daß ein Volk schon in seinem ursprünglichen Altertum umKenntnis der Gesetze seiner Sprache 'bemüht' gewesen sein soll.

Ich finde, daß auch der Inhalt der vorislämischen arabischenPoesie viel Künstliches, Bewußtes, Konventionelles enthält, dasden Stempel literarischer Mache und langer literarischer Tradi-