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Literatur und Kunst des Mittelalters
liehen Gedankenspiels, ferner typische Motive besonderer Art(Natureingang, Tageliedsituation; die Wache, die Aufpasser undMerker 1 ); Herzensraub und Herzenstausch und Wohnen im Her-zen der Liebenden; Traumbild der Geliebten und gehörtes Lobüber die unbekannte Dame als Anlaß oder Wirkung der Liebes-leidenschaft und manches andere). Gewiß soll damit nicht dieinnere Ursache für die Entstehung des Minnesangs bezeichnetsein. Die zu finden und in Worte zu fassen, das übersteigt wohldie Kräfte geschichtlicher Erkenntnis, jedesfalls die meinigen.Da wirken in geheimer Tiefe Wandlungen und Weitungen dermittelalterlichen europäischen Psyche, die verwachsen sind mitdem gesamten Entwicklungsprozeß der abendländischen Kultur.Diesen natürlichen Teil in dem geschichtlichen Wunder desmittelalterlichen Minnesangs will ich nicht erklären. Aber fürden stärkeren künstlichen Teil glaube ich die geschichtlicheAbleitung in der angegebenen Richtung suchen zu dürfen.
Freilich bleibt künftiger Forschung noch viel zu klärenübrig. Es gilt, die Zeugnisse für jene panegyrische Hofpoesievon minniglicher Haltung und gesellschaftlich-politischer Ten-denz zu vermehren. Es gilt, den Kunstcharakter, die metrischenund stilistischen Formen dieses andalusischen Hof-Minnesangsschärfer zu erfassen. Formale Beziehungen arabischer Gedicht-gattungen zu abendländischen Lied- und Strophenarten sindja oft behauptet worden. Das müßte eindringlich nachgeprüftund, soweit es auf Wahrheit beruht, methodisch begründetwerden. Bedeutsam scheint mir für den ganzen von mir ver-muteten geschichtlichen Werdeprozeß die gerade in Andalusienvollzogene Erfindung und Einführung der beiden volkstüm-lichen Liedgattungen arabischer Lyrik: des Muwaschschachund des Sadschal 2 ). Dadurch wurde die traditionelle Form der
x ) Dieses, provenzalischen und deutschen Minnesängern gleichgeläufige Motiv eignet schon der vorislämischen Poesie der Araber.
2 ) Vgl. darüber Schack a.a. 0.2, 1. Aufl. 1865, S.51 ff.,2. Aufl.S. 50ff. (mit den ersten Beispielen für beide Gattungen in deutscherÜbertragung). Die Entscheidung der Frage, wer die eigentlichen Er-finder und ersten Ausbildner dieser Form waren, ob die von Brockel-mann, Gesch. d. arab. Lit. 1898 1, S. 272f., 1901 S. 148. 156f.,genannten Dichter und ob auch der von Hammer-Purgstall,Literaturgesch. der Araber I. Abt. Bd. 4, S. 705f., zu Ibn Abd Rabbihials ,,der erste Dichter und Erfinder dieser Dichtungsform" genannte„Mikdem Ibn Moafi el-Kaberi, einer der Hofdichter Emir Abdallahs"