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Literatur und Kunst des Mittelalters
Ibrahim Ibn Haddschädsch den Poeten 1 ) an ihrem Hof mitgroßer Freigebigkeit einen ehrenvollen Platz einräumten, machtGraf Schack über den Hof dichter Jachjä Ibn Hakam elGasäl ('die Gazelle') nähere Mitteilungen 2 ). Am Hof zu Cordovanahm er unter Emir Abderrachmän II. (822—852), einem ver-schwenderischen, prachtliebenden Freund der Poesie und Kunst,der sich selbst im Dichten versucht hat, eine angesehene Stellungein und wurde, wie das auch sonst üblich war, als Gesandter anverschiedene Höfe geschickt. Am Hof zu Byzanz gewann erdas Wohlwollen des Kaisers dadurch, daß er im Gespräch mitdiesem bei dem Eintreten der Kaiserin wie zerstreut stockteund auf Befragen ihre Schönheit als Grund angab und derenüberwältigende Wirkung mit lebhaften Worten pries, was auchdie Kaiserin sehr befriedigte. In ähnlicher Weise feierte er aufeiner anderen diplomatischen Sendung, deren Anlaß wir nichtkennen, zu einem der normannischen Seekönige an dessen Hofeseine Gemahlin, die Königin Theuda, in einem improvisiertenHuldigungsgedicht und machte auch dadurch Glück.
Diesem Jachjä, der seinen Beinamen 'die Gazelle' wegenseiner Schönheit führte, wurde nachgerühmt, daß er ein Musterfeinen höfischen Benehmens gewesen sei. Aber Spottverse,die er gegen einen anderen, mächtigeren Günstling am Hof vonCordova, den Hofmusikus Sir j ab gerichtet hatte, führte seineVerbannung herbei. Auch dieser glücklichere Bival galt als Meisterdes guten Hoftons. Auch er war ein ausgezeichneter Dichter,kannte Worte und Melodien angeblich von zehntausend Liedernauswendig, besaß ein reiches astronomisches und geographischesWissen, das ihn befähigte, über die verschiedenen Länder und
x ) Unter ihnen der oben S. 289 Anm. erwähnte gekrönte DichterAchmed Ibn Abd rabbihi (860 —940: Dozy 1, S. 445), über Ibrahim selbsts. Dozy 1, S. 407ff. 435ff., Aug. Müller, Der Islam Bd. 2, S. 494f.
s ) Graf Schack, Poesie und Kunst der Araber in Spanien uiidSizilien Bd. 1, 1. Aufl. S. 73ff., 2. Aufl. S. 75ff.; Aug. Müller, Der Islam 2,S. 531 f. Die Nachricht über Jachjä Gasäls galante Huldigungsrede undminniglich-enkomiastische Verse an die fremden Fürstinnen steht beiMaqqari, der erst im 17. Jahrhundert schrieb, aber alte Quellenbenutzte. * Nach einer Mitteilung Georg Jacobs starb der Dichterel- Gazäl im Jahre 250 d. H. (872 n. Chr.) und war die Quelle fürMaqqarls Nachricht über ihn (Leidener Ausgabe I, S. 630 f.) Abul-Hattäb ibn Dihja (f 1235), für den Wüstenfeld, Geschichts-schreiber der Araber S. 117 f. zu vergleichen ist. *