Der Ursprung des mittelalterlichen Minnesangs 301
des feindlichen Spanierheeres Omar Ibn Hafßon zum Zweikampfherausfordert, dieser sich aber trotz seiner Tapferkeit mit ihmnicht zu messen wagt, wie er ein andermal überraschend imHandgemenge auf Omar trifft, der ihm wieder entrinnen möchte,aber von Said mit beiden Händen um den Leib gepackt und zuBoden geworfen wird. Zehn Eigenschaften, die ein vollkommenerEdelmann besitzen müsse, rühmten die Zeitgenossen an Said:Großmut, Tapferkeit, vollkommene Kenntnis der Reitkunst,Schönheit, Gabe der Dichtkunst, Körperkraft, die Kunst, dieLanze, das Schwert und den Bogen zu handhaben (Dozy a. a. 0.S. 389).
Aber der Mann, der dieses Ideal eines tapferen und edlenArabers verkörperte, war zugleich der Typus eines Dichtersneuer Liebespoesie. Keiner wurde so schnell und tief von Frauen-reiz ergriffen als er. Der Klang einer seelenvollen Stimme, derAnblick schöner Locken schlug ihn in Bande. So verliebte er sichin Cordova, als er am Palast des Prinzen Abdallah vorüberging,in eine unbekannte Schöne, deren Gesang aus dem Fenster desersten Stockwerks auf die Straße drang. Entzückt, voller Sehn-sucht nach der Unbekannten hörte er ruhig zu. Nach langemWarten bemerkte er endlich eine kleine weiße Hand, die demPrinzen eine Schale reicht. "Weiter sah er nichts. Aber Stimmeund Hand genügte, seine Leidenschaft zu entzünden. Die un-gesehene Sängerin war die schöne Dschehäne; da sie dem Prinzengehörte, war sie von Said durch eine unübersteigliche Schrankegetrennt. Voller Verzweiflung suchte er seiner Liebe ein anderesZiel, suchte er nach einer Doppelgängerin und Vertreterinder Geliebten. Er kaufte die schönste Sklavin, die er findenkonnte, und gab ihr den Namen Dschehäne. Er tut wieTristan — gleich ihm ein Ideal höfischen Rittertums, ein Helddes Kampfes und ein Meister der Sangeskunst und eleganterRede —, der, um die blonde Isolde zu vergessen, sich mit derIsolde Weißhand verbindet. Aber es war — wie später beiTristan — vergeblich; er konnte über der zweiten Dschehänenicht die erste, die wahre Dschehäne vergessen. So weihte er ihrdenn folgendes Gedicht:
„Der liebliche Gesang, den ich gehört habe, hat mein Herzmir entrissen und mich in Traurigkeit versenkt, die mich .langsam verzehren wird. Dschehäne ist es, der ich mein Herzgegeben; ihr werde ich ewiges Gedenken weihen und doch