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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

II

poetischen Formen und Motive. Dieser Vorgang bedürftedringend einer genauen Untersuchung und im einzelnen durchreiche Proben erläuterten Vorführung. Nur ein Orientalist ;aber nur ein literarhistorisch geschulter, der zugleich über einausreichendes Darstellungsvermögen gebietet, könnte das leisten.Die bisher von der orientalistischen Fachwissenschaft gegebenenAndeutungen sind für den Nichtorientalisten wenig faßlich undgreifbar 1 ). Die meiste Aufklärung gewinnt man noch aus desGrafen von Schack liebevollem und reichhaltigem Buch, das aberallzusehr den Sinn für die literargeschichtlichen Probleme unddie philologische Einzelbeobachtung vermissen läßt. Was diemittelalterliche Philologie und Kulturgeschichtebraucht, wäre vor allem eine möglichst vielseitige Auswahl voncharakteristischen Textproben in Übersetzung, ferner bestimmteBeschreibungen der Reim- und Strophenarten, der poetischenMotive, der sprachlich-stilistischen Technik, namentlich derTropik und der übrigen rhetorischen Mittel. Schon eine nachliterarhistorischem Gesichtspunkt angelegte Anthologie vonmöglichst wörtlichen Übersetzungen arabischer Lyrik aus vor-

*) Abschreckend wirkt in manchen der bisherigen Darstellungenarabischer und persischer Kultur, besonders in den älteren, auf den philo-logischen Nichtfachmann, d. h. auf den vergleichenden Literaturforscherund den Kulturhistoriker, der Mangel an Knappheit, Straffheit, An-schaulichkeit des Ausdrucks, an Übersichtlichkeit, an Gliederung desungeheuer weiten Stoffs in Absätze und Abschnitte mit einprägsamenÜberschriften, an fortlaufenden Hinweisen auf die Chronologie und diegleichzeitige politische Geschichte mit festen Daten, namentlich Angabender Regentenjahre. Empfindlicher noch ist aber das fast durchgängigeFehlen von konkreter Form-, Motiv- und Stilbeschreibung, überhauptvon Begründung der allgemeinen Werturteile und Charakteristikendurch Einzelbeobachtung. Hier verrät sich eine geradezu verhängnis-volle, wenn auch leicht zu erklärende Rückständigkeit hinter fast allenübrigen, selbst viel jüngeren Philologien. Sehr störend ist endlich dieverwirrende Mannigfaltigkeit der Transskriptionen arabischer undpersischer Laute, deren Zeichen den meisten literar-historischen Lesernunverständlich bleiben. Wie leicht ließe sich dem hilflos in diesemLabyrinth Umherirrenden ein Leitseil zuwerfen, indem die Grundsätzeder Umschrift und der Lautwert der gebrauchten Zeichen durch Bei-spiele erläutert würden. Auch reichhaltige Orts-, Personen- und Sach-register sollten nie fehlen. Allerdings ein Register wie das in Brockel-manns lehrreicher zweibändiger arabischer Literaturgeschichte ist fürden Nichtorientalisten unbrauchbar, wenigstens ohne nähere Anleitung,die sich leicht hätte geben lassen.