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Literatur und Kunst des Mittelalters
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dem Statthalter Merwan, der ihm wegen eines Spottgedichtsgram war, aus der Stadt verwiesen (Brockelmann 1, S. 53f.;1901 S. 70). Auch von einem unbedeutenderen Dichter dieserZeit, Muhammed Ibn Abdallah an Numairi, wissen wir,daß er sich in die Schwester seines berühmten LandsmannesHaggag Ibn Jüsuf verliebte, durch seine Liebeslieder sie kompro-mittierte und deshalb fliehen mußte (Brockelmann 1, S.62 Nr. 81).Bekannter ist eine wie ein Vorklang des Decamerone an-mutende novellistische Geschichte, die über den Hof dichterWaddäch am Hofe des großen Chalifen Walid I. (705—715)uns berichtet worden ist. Als diesem hinterbracht war, daß seineGemahlin Umm el-Benln von seinem Hofdichter nicht nurpoetische Huldigungen, sondern auch heimliche Besuche emp-fange, überraschte er sie eines Tages, so daß der Liebhaber nurgerade noch sich in einer Truhe verbergen konqte. Der Chalifsetzte sich scheinbar harmlos auf diese Truhe, verlangte sie alsGeschenk und ließ sie dann unter seinem ebenerdigen Zimmerin einer tiefen Grube vergraben, ohne der Gattin gegenüber sichjemals über den Vorfall etwas merken zu lassen, wie auch dieseihre Gemütsbewegung verbarg (v. Kremer, Kulturgesch. d.Orients 1, S. 145f.; Aug. Müller, Der Islam Bd. 1, S. 397;Brockelmann 1901 S. 72f.). — Von diesem Waddäch gibtKremer ein überwältigend schönes Gedicht an eine andere Ge-liebte namens Rauda. Es ist ein Zwiegespräch in ganz volkslied-haften, erst zweiversigen, dann Zug um Zug sich steigerndenstichischen Antithesen; er in der Morgenfrühe ungeduldig dieGunst nächtlichen Besuchs erbittend und jeden Grund derWarnenden immer stürmischer, kühner überbietend, sie Schlagauf Schlag abwehrend, zuletzt aber erklärt sie sich besiegt: ,,Ichwarnte umsonst, wohlan: Sei, wenn die Wachen schlafen, bereit IHusche herein wie der Tau der Nacht". Kann leises unbe-merktes Kommen sinnlich treffender bezeichnet werden ? Undkönnte die Sprecherin ihre heimliche Sehnsucht nach dem Ge-liebten rührender verraten, als indem sie seinen Besuch demNachttau vergleicht, der nach der Hitze des arabischen TagesErquickung und Erlösung bringt ? Dieses arabische 'Fensterln'-Lied bietet die Vorgeschichte einer Tagelied-Situation, wie dasauch bei den abendländischen Minnesängern zuweilen vorkommt,und „die Wachen", sind hier geradeso ein typisches Motiv wiebei jenen.