Der Ursprung des mittelalterlichen Minnesangs 295
bischen Welt. Mit ihm zusammen wurde sein KunstgenosseAch was, der schon unter dem Chalifen Suleimän (715—717)wegen Ehebruchs mit Pranger bestraft war, vom ChalifenOmar II. wegen seiner galanten Abenteuer und poetischenHuldigungen vor Frauen vornehmer Mekkaner zur Rechenschaftgezogen (Brockelmann 1, S. 46. 48f., 1901, S. 64f.). Ein Nach-ahmer des Omar Ibn AbiRabia, ein Omaijade, Argi, hatte seineLiebeslieder an die Mutter eines vornehmen Mannes gerichtetund wurde deshalb von diesem, sobald er unter Abdelmelik(685—705) Statthalter geworden war, eingekerkert und hartbestraft (Brockelmann 1, S. 49).
In jener Zeit, unter der Regierung Jesids (680—683) wieunter dessen Nachfolgern, namentlich unter Abdelmelik, standdas Hof dichtertreiben in höchster Blüte. Außer dem genanntenAchtal kennen wir noch andere christliche Hofdichter ara-bischen Blutes, die damals in Damaskus lebten (Brockelmann 1,S. 61 f. Nr. 5. 6.).
Zwischen den beiden berühmten Hofpoeten Dscherir undFerasdaq entbrannte ein hitziger, mmer wieder erneuterpoetischer Wettstreit, den Achtal zu entscheiden aufge-rufen wurde. Ein großer Teil seiner Poesie diente dem politischenInteresse seines Herrn. „Viele seiner Gedichte nahmen ähnlichden Sirventesen der provenzalischen Troubadoursdie Stelle unserer Leitartikel ein" (Brockelmann 1901 S. 68). DieFrage, wer von diesen drei Dichtern der größte sei, ist später vonden arabischen Gelehrten oft gestellt und in verschiedener Weisebeantwortet worden. Dscherir (gest. 728) führte auch mit demDichter Omar Ibn Laga eine poetische Fehde, und diese nahmeinen unerwarteten Ausgang: „weil beide Dichter in den ero-tischen Ergüssen, wie sie der herkömmliche Stil zu Anfangjedes größeren Gedichtes verlangte, die Namen vor-nehmer Damen aus der Hofgesellschaft kompromittiert hatten",ließ der Chalif-Walid (705—715) „beide aneinander gefesselt,an den Pranger stellen" (Brockelmann 1, S. 50. 57; 1901 S. 69).Auch Ferasdaq, der seine Vaterstadt Basra infolge eines Spott-gedichts hatte verlassen müssen, erfuhr als Mitglied der lebens-lustigen Kreise von Medina, wohin er sich gewandt, den Zornder Frommen; er hatte in einem Gedicht sich eines Liebesaben-teuers gerühmt, bei dem er auf einer Strickleiter über die hohenMauern eines Harems gestiegen sei, und wurde daraufhin von
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