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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

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innert, vom König überrascht wurde ein Motiv übrigens, dasnoch krasser in jenen eben (S. 292f. u. Anm.) mitgeteilten Versendes Imruulqais vorgebildet war, erregte der als Dichter hoch-gefeierte Näbigha des Königs Eifersucht und Ungnade, weiler die Reize der Königin zu eingehend geschildert hatte 1 ).

Muhammed hatte den mit seinen Liebestriumphen sichbrüstenden Imruulqais den Führer der Dichter zur Hölle ge-nannt. Aber 100 Jahre nach Imruulqais, als dem Islam längstvoller Sieg beschieden war, herrschte unter der neuen Dynastieder Omaijaden ein von Rigorismus entfernter, ja vielfach einlaxer Geist. Am Hofe des Omaijaden Muäwija (gest. 680) gingder Dichter Abderrachmän so weit, sich in einem Gedicht offeneiner Liebschaft mit der Tochter des Chalifen zu rühmen. AufBefehl ihres darüber erzürnten Bruders Jesid mußte ihn einchristlicher Hofdichter beduinischen Stammes, der berühmteAchtal, durch ein Schmähgedicht scharf züchtigen.

Damals trug ein hervorragender Anhänger des Islams, derHofpoet Omar Ibn Abi Rabia (640 bis ca. 718), ein Bahn-brecher der arabischen Kunstlyrik, kein Bedenken, seinepoetischen Huldigungen an omaijadische Prinzessinnen zurichten, denen er sich freilich als Sohn eines vom Prophetenernannten Statthalters wohl ebenbürtig fühlte, selbst auf dieGefahr hin, so daß Misfallen des Chalifenhauses von Damaskushervorzurufen (Brockelmann, Gesch. d. arab. Lit. 1898 Bd. 1,S. 46f., 1901 S. 63). Er auch anscheinend war es, der den obli-gaten erotischen und meist elegischen Eingangder Kasside ablöste und zu einer selbständigen Gattung reinerLiebeslyrik umgestaltete. Und dabei gab die musikalischeKomposition seiner Lieder den Ausschlag: durch ihren Wohl-klang sicherte sie seiner Kunst Verbreitung in der ganzen ara-

!) Rückert, Hamäsa, 1. Teil, Stuttgart, Liesching, 1846, S. 205bis 210; Brockelmann 1901, S. 29 (daß Näbighaauf Verlangen desKönigs" die anstößigen, uns erhaltenen Verse gemacht habe, finde ichin den mir zugänglichen Quellen nicht ausdrücklich angegeben; es wirdaber -wohl richtig sein). Das Kitäb al agäni, die Hauptquelle für dieseHofdichter-Novellen wurde erst von dem 967 verstorbenen AbülFarag aus Ispahan verfaßt. Er führte das Leben eines wanderndenLiteraten, war ein Nachkomme der Omaijaden und stand in heimlicherVerbindung mit der spanischen Linie dieses Hauses. Darauserklärt sich teilweise sein lebhaftes Interesse für die vor- und früh-islämische Poesie. Vgl. Brockelmann, Bd. 1, S. 21, Nr. 8 und S. 146, Nr. 1.