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Literatur und Kunst des Mittelalters
ist und schon aus vorislämischer Zeit stammt 1 ). Und diese Erotikgibt ihre Bekenntnisse vielfach in einem typischen Ausdruck:mit dem Bild einer grenzenlosen, dienenden Hingabe undUnterwürfigkeit, einer schwärmerischen Erhöhung der Geliebtenzur unbedingten Herrin oder auch zu einem andächtig verehrtenHeiligenbild.
In diesem erotischen Zweige der Hofpoesie, der als Frauen -huldigung längst eine fest umgrenzte und von der arabischenPoetik anerkannte Dichtungsart war, machte sich früh die Liebes-leidenschaft für eine hochstehende, oft zugleich für eine ver-heiratete Frau bemerkbar. Schon in der Sammlung vor-islämischer Gedichte, von denen Goethe in den Noten zumWestöstlichen Diwan so begeistert redet, den Muallaqät, diein den letzten Zeiten der omaijadischen Herrschaft zu Ende des8. Jahrhunderts zusammengestellt und redigiert wurden unduns in einer Rezension des 11. Jahrhunderts überliefert sind,zeigt sich Imruulqais (Amrilkais), ein Dichter königlichenStamms, von dieser Seite. Als abenteuernden Prätendentenund als Gegner des persischen Vasallenfürsten von HiraMundhir III. berief ihn 530 Kaiser Justinian an seinen Hofnach Byzanz, um ihn gegen Persien als politisches Werkzeugzu benutzen. In Byzanz hat er längere Zeit gelebt und die Er-nennung zum Phylarchen von Palästina empfangen (Brockel-mann, Gesch. d. arab. Lit. 1901, S. 27). In seinem Diwan nennter unter den Lebensgenüssen des reifen Mannes neben Becher-leeren, Jagdgalopp zu Roß, nächtlichem Kamelritt durch dieWüste zu Freunden als vierten „nachzustellen einem reizenden
!) Die Kasside, d. h. das größere Gelegenheitsgedicht, hat inaltarabischer Zeit einen typischen Potpourriinhalt: es beginnt regel-mäßig mit dem Nasib, der Liebes klage um die entschwundeneHerzensdame, dann als Übergang Betonung der Nutzlosigkeit, um ver-lorenes Glück zu klagen, darauf Beschreibung des Reittieres, Natur-und Kampfbilder, endlich der eigentliche Anlaß des Gedichts, Lob desStammes oder des Gönners (Brockelmann, Geschichte der arabischenLiteratur, Leipzig 1901, S. 12). — Einen Hofpoeten hielt sich schon derProphet. Unter den Omaijaden, zur Zeit des Dichters Dscherir (gest. 728)unterschied man vier Gattungen der Hofpoesie: das Selbstlob; Lob-gedicht zu Ehren des Gönners oder Stammes oder einzelner Personenund Klassen; Satire; Frauenhuldigung und Zergliederung der Frauen-schönheit (v. Kremer, Kulturgesch. d. Orients Bd. 2, S. 363 undHammer-Purgstall, Literaturgesch. der Araber I. Abt. Bd. 2,S. 283ff.).