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1,1 (1925) Mittelalter
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Der Ursprung des mittelalterlichen Minnesangs 291

und gesellschaftliche Ehren, künstlerische Auszeichnung 1 ), jaoft auch politischen Einfluß und gelegentliche diplomatischeMissionen oder auch geradezu das Amt eines führenden Staats-mannes erwirkt. Die Fürsten und der höchste Adel des Landesstrebten auch selber nach dieser literarischen Rolle und wett-eiferten mit den gewerbsmäßigen Dichtern. Dieselbe Mischunghochgestellter Dichterdilettanten und fahrender Brotsänger, dieuns in den Anfängen der Troubadourpoesie entgegentritt(s. oben S. 275 f., 277), besteht auch in dieser Hoflyrik desislamischen Spaniens. Und noch eine zweite Mischung. Nebenden provenzahschen Minnesängern bewegt sich eine Masse unsmit Namen bekannter Minnesängerinnen, auch hohen Standes,für die wir aus den problematischen Frauenstrophen des ältestendeutschen Minnesangs ein deutsches Analogon erschließendürfen, falls diese teilweise von Frauen verfaßt sind oder aufdas Muster von Frauen verfaßter Strophen zurückgehen. Eben-so traten an den arabischen Fürstenhöfen in Spanien, wie übrigensnoch stärker im Orient, lyrische Dichterinnen auf 2 ).

Das Thema dieser Hoflyrik ist zunächst politisch undpanegyrisch: Huldigung vor der Macht und den Siegen, vorder Weisheit, Großmut, Freigebigkeit des Herrschers. Danebenaber seit alters erotisch. Die Liebe, die hier redet, ist über-wiegend die der Sehnsucht und des Verlangens, der leiden-schaftlichen Werbung, aber auch der trauernden Klage. Dennin dieser erotischen Lyrik nimmt breiten Raum ein das elegischeElement, wie denn die Elegie eine der Urformen arabischer Poesie

x ) Es gab an den muslimischen Höfen Spaniens auch schon ge-krönte Poeten; als ein solcher stand z. B. an der Spitze der Hofpoeten,die aus Cordova, vom Hofe des geizigen und frevelhaften Sultans Abdallah(888912, s. über ihn August Müller, Der Islam, 2. Bd., Berlin,Grote, 1887, S. 485ff.), an den Hof von Sevilla zu dem hochherzigen undprachtliebenden Ibrahim Ibn Haddschädsch (s. oben S. 290 Anm. 2)geflohen waren, der Dichter Ibn Abd rabbihi (s. D o z y, a. a. O. Bd. 1,S.426. 445). Der gekrönte Dichter Achmas von Toledo, ein Spanier,antwortete 917 als Hofpoet des Fürsten von Nekur Said II. auf Verseeines Briefes des Chalifen Abderrachmäns III. mit einem beleidigendenGedicht (Dozy, a. a. O. Bd. 2, S. 24). Unter den Omaijadenlebteam Hof von Damaskus der poeta laureatus Achtal, ein ChristA. v. Krem er, Kulturgesch. d. Orients, Bd. 2, S. 362); vgl. überihn unten S. 294.

2 ) Über Kamar s. oben S. 1024 Anm. 3. Massen von Dichterinnenverzeichnet Hammer-Purgstall, Arabische Literaturgeschichte.

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