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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

musikalischen Seite, die ich als besonders folgenreich für ihreFortwirkung auch auf Renegaten und Christen betrachte,werden diese Hervorbringungen einer politischen Hof-poesie doch immer auch gewertet als schriftliche Urkunden,als literarische Kunstwerke. Deshalb werden sie auch so oftals Briefe 1 ) niedergeschrieben, verschickt und vorgelesen.Wenn im provenzalischen Minnesang zum ersten Male dasabendländische Mittelalter in der nationalen (nichtlateinischen)Sprache literarische Produktion und stilistische Eleganz alsästhetische Macht, als Blüte der gesellschaftlichen Bildung, alsQuelle eines neuen, geistigen Adels 2 ), allerdings zunächst nurinnerhalb der Sphäre der Höfe, kennenlernt, so war dafür hierdas Vorbild gegeben.

Das Entscheidende für unser Problem ist nun aber dies.Während des 9., 10. und 11. Jahrhunderts haben in Spanien anden großen und kleinen Höfen nicht nur muslimische (auchpersische) und jüdische Hof dichter, Hofsänger, Hofmusiker eineberufliche Stellung, die ihnen feste Besoldung, reiche Einkünfte

*) Doch ist auch zu beachten, daß die Kunst des rhetorischenBriefstils bei den Arabern in hoher Blüte und großem Ansehen stand.Sie war ein wichtiger Teil der Hofkultur, spielte in allen politischenDingen eine bedeutende Rolle, und viele der muslimischen Hofpoetenwaren zugleich Sekretäre, darum auch vielfach in diplomatischen Ge-sandtschaften verwendet.

2 ) Am Hofe des Ibrahim Ibn Haddschädsch, des Häupt-lings der arabischen Aristokratie von Sevilla, der dort mit königlicherGewalt und Pracht Herr war, lebte die schöne Kamar, eine Sängerinaus Bagdad von niederer Herkunft. Als eines TagesUnwissende, diesich auf ihre eigene edle Abkunft etwas einbildeten", sie herabsetzenwollten, richtete sie an diese folgende Verse (Dozy, a. a. O. 1, S. 444f.):Sie sagen: Als Kamar zu uns kam, war sie in Lumpen gekleidet; bisdahin hatte sie kein anderes Handwerk gehabt, als mit schmachtendenBlicken Herzen zu gewinnen; sie ging umher im Schmutz der Wege, irrtevon Stadt zu Stadt; sie ist von niederer Herkunft; ihr Platz ist nicht beiden Edlen, und ihr einziges Verdienst ist, Briefe und Verse schreibenzu können. Ach, wenn sie nicht Toren wären, würden sie wohl andersvon der Fremden sprechen! Was für Menschen, mein Gott, die so denwahren, einzigen Adel, [nämlich denjenigen,] welchen dasTalent verleiht, verachten! Wer wird mich von diesen Unwissendenund Toren befreien! Ach, die Unwissenheit ist die größte Schmachauf der Welt, und wenn ein Weib, um ins Paradies zu kommen,unwissend sein müßte, wollte ich lieber, daß der Schöpfer michin die Hölle wiese".