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Literatur und Kunst des Mittelalters
begriffs anschlägt, er allein in seiner Vereinzelung reicht keines-wegs hin, das Problem des um und nach 1100 einsetzendenHereinflutens jener neuen literarischen Strömung begreiflichzu machen. Nur als ein Symptom darf er gelten für das, was imMittelalter an Um- und Fortbildung antiker Romankunst mitgewissen romantischen Färbungen im Kreise der gelehrtenLiteratur fortgepflanzt werden konnte.
Dabei unterscheide ich scharf zwei Strömungen. Die eineist die Romantradition der christlichen Legende, die unmittel-bar aus dem spätgriechischen Abenteuer- und Reiseroman er-wachsen, ihrerseits nun unablässig auf die landessprachlicheLegendenliteratur, aber auch auf die weltliche poetische Er-zählkunst einwirkt 1 ). Die andere Strömung, die gleichfalls nieganz versiegt ist, aber in den einzelnen Ländern und Zeiten desMittelalters, je nach dem Steigen und Sinken der Rildung baldstärker bald schwächer fließt, ist der schulmäßige Unter-richt, genauer der wohl niemals ganz ausgestorbene, aber zugewissen Zeiten und in gewissen Gegenden erstarkende mittel-alterliche Unterricht in der lateinischen Schulpoetik 2 ),zugleich natürlich die nach diesen Lehren sich richtende latei-nische Schulpoesie des Mittelalters. Und hier erhebt sich danndie für unser spezielles Problem hervorragend wichtige Frage,ob im südlichen Frankreich seit dem Altertum Laienschülenmit altrömischer oder auch griechischer Tradition, deren Kernnatürlich die Rhetorik gewesen sein müßte, fortbestanden haben.Man hat, namentlich in den älteren literar-und kulturhistorischenDarstellungen diese Frage erwogen und vielfach bejaht 3 ). Aber
2 ) Nähere Nachweise darüber gibt mein oben S. 282 Anm. 1 ge-nannter Vortrag (oben S. 108-124, 134 f., 137 ff., 141).
2 ) Auf ihre Bedeutung, die 1879 eine grundlegende Arbeit vonKuno Francke leider nicht mit der verdienten Wirkung beleuchtethat, wies besonders nachdrucksvoll hin mein (noch nicht veröffentlichter)Vortrag 'Zum Nachleben antiker Dichtung und Kunst im Mittelalter',s. den Inhaltsbericht in den Verhandlungen der Kölner Philologen-versammlung von 1895, Leipzig, Teubner, 1896, S. 136 und Zeitschr. f.deutsche Philologie Bd. 28, S. 533 (jetzt oben S. 54 ff.).
3 ) Vgl. z. B. Gervinus, Geschichte der deutschen Dichtung 5Bd. 1, S. 479 in seinem allgemeinen Abschnitt über den Minnegesang: „ZuHause [in Spanien und Südfrankreich] aber machte die Menge der kleinennaheliegenden Staaten,die Masse von Höfen und ausgezeichneten Fürsten,die an Glanz und höfischer Bildung wetteiferten, das öffentliche Leben