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Literatur und Kunst des Mittelalters
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bringende Seefahrten und Reisen, Raub und Entführung vonKindern oder geliebten Frauen, Wiedervereinigung getrennterAngehöriger über das erotische, lyrisch-rhetorische Element dasÜbergewicht haben.
Aber sowohl dem Apolloniusroman als dem Alexander-roman mangelt doch gerade der charakteristische sentimentale»romantische Zug des Minnedienstes, wenn auch im einzelnenminnigliche Vorklänge nicht ganz fehlen. So kommt im Apollo-niusroman ein Motiv vor, das- später in der mittelalterlichenPoesie ein spezifisch minnigliches Requisit von typischer Gültig-keit geworden ist: Apollonius verliebt sich auf Hörensagen indie ferne Tochter des Königs von Syrien und zieht deshalb aus,sie zu gewinnen. Das ist sowohl im mittelalterlichen Liebes-roman als in der mittelalterlichen Minnelyrik eine hochbeliebteVorstellung: die Minne wirkt in die Ferne zwischen Unbekannten,sie entsteht durch die Macht der guten Nachrede und des Ruhmsund sie treibt dazu, daß die Unbekannten sich persönlich suchenund vereinigen.
Auch das früh viel gelesene und mystisch gedeutete erotischeMärchen von Amor und Psyche, orientalischen Ursprungs,das durch die Metamorphosen des Apuleius sieh die mittel-alterliche Weltliteratur eroberte, kann man in diesem Zusammen-hang als literarischeAnregungsquelle würdigen. Zweifellos tauchtes ja in den französischen und deutschen Parthenopeusromanenauf, in einer charakteristischen Romantisierung, die Amor ineine Fee und die Psyche in einen liebenden Mann verwandelt.
Zu den drei großen antiken Weltromanen von Alexander,Apollonius, Amor und Psyche gesellt sich als vierter Stoffkreisder griechische Trojaroman, der uns in zwei lateinischenRearbeitungen unter dem Namen des Dictys und des Daresvorliegt. Reide haben die Quelle für bekannte französische unddeutsche ritterliche Liebesromane des Mittelalters gegeben.
In diesen antiken Romanen lassen sich vier Typen der Er-zählungskunst unterscheiden: der historische, der historisch-ethnographische, der märchenhafte, der Familienroman. Ver-gleicht man sie mit den von ihnen abhängigen mittelalterlichenLiebesromanen, so erkennt man: es sind zwei verschiedene lite-rarische Welten. Nur Grundzüge des Stoffes oder einzelne Motive,gewisse technische Resonderheiten, leiten von der einen zurandern hinüber.