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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

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stärkere Anhänglichkeit und dauernde Zuneigung. Diese Frauzu rühmen war dem Hofritter eine wichtige Aufgabe.Warnun der Ritter eine poetisch angelegte Natur, so sprach er derFrau seines Herren diese Verehrung und Hochachtung auch inVersen aus, wie es Sitte der Zeit war." Die Herren ließen sichdiese ihren Frauen dargebrachten Huldigungen gern gefallen,die Frauen fanden darin etwas, was der Gatte ihnen nicht bietenkonnte oder wollte, und trugen ihrerseits in das Respektsver-hältnis des ritterlichen Dienstes das Moment der Liebe.Gingdoch nach alter Weise die Aktivität in dieser Sache immer vondem weiblichen Geschlechte ausv"

Analogien aus dem Leben des modernen preußischenSoldaten konnten nach dem Gesetz der wechselseitigen Erhellungdiese kühne pragmatische Konstruktion bestätigen, aber freilichauch ins Lächerliche ziehn. Man mußte fragen, wie denn dievielen armen Hofritter im Dienste der geistlichen Stifter undder Bischofskurien, wo es doch keine Hausfrauen gab, auf ihreKosten kamen. Man mußte einwenden, daß im Zeitalter derNaturalverpflegung an den mittelalterlichen Höfen doch auchmännliche Beamte maßgebend bei der Hausverwaltung mit-wirkten, der Schenk, der Truchseß, der Kämmerer. Die Haupt-sache vollends blieb unerklärt: der Hausfrau in Versen Ver-ehrung und Hochachtung auszusprechen und diese Verse zumAusdruck einer werbenden Liebe zu machen. Die Berufung aufdie Sitte der Zeit" täuscht über diese Schwierigkeit hinweg. Voneiner solchen Sitte der Zeit wissen wir eben vor dem Aufkommendes Minnedienstes und Minnesangs nichts. Auch widersprichtes unserer geschichtlichen Kenntnis, daß die unbelehnten armenHofritter in Minnedienst und Minnesang das erste Beispielgegeben haben sollten, das dann die höheren Adelskreise, dieLehnsherren, die Grafen und Fürsten nachgeahmt hätten. Um-gekehrt gerade hat sich die Entwicklung in Frankreich wie inDeutschland vollzogen. Auf den'obersten Höhen der Gesell-schaft an Königs- und Fürstenhöfen gewahren wir die Anfängeder Minnepoesie. Der älteste provenzalische Minnesänger istbekanntlich Graf Wilhelm von Poitou, Herzog von Aqui-tanien, Bruder einer Kaiserin, Gemahl einer Enkelin KönigRoberts von Frankreich, Großvater der berühmten Doppel-königin von Frankreich und England, Eleonore von Poitou.Später freilich überwiegt unter den Minnesängern der niedere