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Literatur und Kunst des Mittelalters
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Über den hier wieder behaupteten Anteil des 'Germanen-tums' am Minnedienst und Frauenkult ist das eben Gesagte nurzu wiederholen. Und die gleiche Ablehnung gilt auch für dieAnnahme christlicher Elemente im Minnesang. Sicherlich hattedas abendländische Rittertum eine religiöse, christliche Farbe.Sicherlich hatte es auch eine ideale Seite. Herrlich hat ihrpoetischen Ausdruck gegeben Walthers lange verkannte Kreuz-zugspalinodie an die Ritterschaft Österreichs (s. Rerliner Sitzungs-ber. 1903, S. 612f.), in der die Träger der geweihten Schwerterund Speere als die vor allen andern Verpflichteten, als die Nach-folger jenes einen ersten christlichen Speerträgers, des RittersLonginus, aufgerufen werden zur Kreuzfahrt und zur Erringungder Krone des ewigen Lebens im Dienste des Kaisers, der nachdem Glauben der Zeit eben den alten heiligen Longinus-Speer,welcher die Seite des gekreuzigten Welterlösers und Welt-herrschers durchbohrte, unter seinen Insignien besaß und daherberechtigt, aber auch verpflichtet war, das Geburtsland Christi,die Stätte seines Grabes, zu befreien und die Krone von Jeru-salem zu erwerben. Großartiger ist der ideale Sinn des christ-lichen Rittertums niemals in einem kurzen deutschen Liedeerhoben worden. Aber dieses Schwanenlied des berühmtestendeutschen Minnesängers ist doch gerade eine Absage an welt-liche Minne und weltlichen Frauenkult und an seinenfrüheren Sang, der die Weltfreude pries und zu mehren suchte.Und der hier offenbare Konflikt zwischen dem idealen und demweltlichen Element des Rittertums tritt uns ja bekanntlich auchsonst in der mittelalterlichen Lyrik, namentlich in den Kreuz-liedern recht oft entgegen. Es zeigt sich darin, daß das Ritter-tum seinem innern Wesen nach sowohl religiöser als weltlicherEntwicklung fähig, aber weder an die eine noch an die andereallein gebunden war. Den religiösen Restandteil des Rittertumshat das große Ruch von Leon Gautier stark betont. Mitgutem Grunde. Aber es wäre ganz verfehlt, das Rittertumzu einer religiösen, kirchlichen Institution zu stempeln.
Wieweit und seit wann auf das Rittertum wie auf den Minne-sang und Frauenkult christliche Einflüsse wirken, ist eine Fragefür sich, die mit dem Problem des Ursprungs von beiden nichtszu tun hat. Ergiebige stilistische und ideengeschichtliche Unter-suchungen haben erwiesen, daß der Minnesang in der Tat auchseine poetische Kunst befruchtet hat aus den Vorstellungen wie