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1,1 (1925) Mittelalter
Entstehung
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269
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Der Ursprung des mittelalterlichen Minnesangs 269

liehen Frankreich sich entfaltenden ritterlichen und höfischenSitte, welche wie immer [?] in bevorzugten exklusivenKreisen, zumal in Epochen jugendlicher Kultur gar bald einehöchst konventionelle Färbung erhielt. Die Minne bildet daher[?] auch den Grundton der Poesie, die sich in den Kreisen dessüdfranzösischen Adels entwickelte."

Hier ist dem Normannischen nicht mehr im Sinne Herdersein Anteil an der Ausbildung des erotischen Elements des ritter-lichen Bildungsideals zugeschrieben, aber doch angenommen,daß erst aus dem Zusammentreten normannischer und proven-zalischer Kultur der eigentümliche ritterliche Frauendienst undMinnebegriff hervorgeht. Die so entsprungene Liebesdichtungsoll erst in ihrem weiteren Verlauf konventionell geworden sein:eine schwerlich zu begründende Ansicht. Der Minnedienst unddie ihm geweihte Poesie sind vielmehr ihrem Wesen nach undvon vornherein konventionell. Und anderseits: Rittertumund Minnedienst sind zwei innerlich verschiedenartige geistigePhänomene. Aus der Natur des christlichen Rittertums, seinermilitärischen, sozialen, religiösen Natur läßt sich der Minnedienstnicht voll ableiten und erklären. Er ist ein dem Rittertum auf-gepfropftes fremdes Reis.

Allerdings war lange in der Literaturgeschichtschreibungdie Meinung verbreitet und ist vielleicht auch heute noch nichtausgestorben, der Minnesang mit seinem Frauendienst stammeaus religiöser christlicher Wurzel. Wieder möge der fein-sinnige Ten Brink dafür Zeuge sein (Geschichte der engl.Literatur Bd. I 2 , S. 186):

,,So fehlt es dieser Liebe [d.h.derMinne, welche zunächstden Gegenstand der Troubadoursdichtung bildet"] nun dochnicht an einer gewissen Idealität, die bei manchen Dichtern frei-lich über den konventionellen Schein nicht hinausgeht, bei andernaber aus tiefstem Gefühle hervorquillt. Und die Sitte ansich, welche das zarte Geschlecht zum Gegenstandder Verehrung macht, ihm die höhere Gewalt unddie Herrschaft zuerkennt, beruht sie nicht auf ide-alem Grund ? Läßt sie sich doch ohne den Einflußdes Christentums und wohl auch des Germanen-tums nicht hinreichend erklären; bildet doch derKultus der Jungfrau Maria den Anfang der über-schwanglichen Frauenverehrung."