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Literatur und Kunst des Mittelalters
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zurückhaltend geäußerst: „Die Streitfrage über den Ursprungder provenzalischen Poesie aus der arabischen könnte nur ge-nügend abhandeln, wer mit der beiderseitigen Literatur ver-traut wäre; so viel springt indessen in die Augen, daß die Partei-gänger der arabischen Poesie ihre Sache verkehrt und einseitigverfochten haben" (Poesie der Troubadours S. XVI, 2. Aufl.S. XV). Man bemerke wohl: der gründlichste und vorsichtigsteKenner provenzalischer Minnepoesie lehnt ihre Abhängikeit vonarabischen Vorbildern nicht etwa vollkommen ab, sondern tadeltnur die Art, wie man sie begründet hat 1 ).
Die zweite Quelle, die man seit dem achtzehnten Jahr-hundert, bestimmt namentlich durch die vielgelesenen Schriftenvon Maßet und Warton, gewohnt war für die provenzalischeMinnedichtung, für den romantischen Geist der ritterlichen Bil-dung in Anspruch zu nehmen, der normannische Kultur-zufluß, blieb länger in Ansehen. Hören wir z. B., wie HerdersKonstruktion (oben S. 262f.) noch bei Ten Brink, Geschichteder engl. Literatur Bd. I 2 (1899), S. 185 fortlebt:
„In dem südlichen Frankreich, jenem von der Naturwunderbar begünstigten, von alter Kultur getränkten, durchdas Mittelmeer dem Verkehr mit Italien, Griechenland und demOrient geöffneten Lande, hatte sich früher als anderswo mitgesteigertem Wohlstande eine Verfeinerung der Lebensgenüsseund in deren Gefolge feinere Sitte und Bildung eingefunden.Frühzeitig unterschied sich hier der Adel von dem Volke nichtbloß durch größere Macht, durch Reichtum und Glanz desLebens, sondern auch durch eine gewisse Eleganz der Formen,durch eine der gelehrten Elemente nicht ganz entbehrende, imwesentlichen aber doch weltmännische Bildung. Wenn in denNormannen die männliche Seite des Rittertums, dieprouesse, zum erstenmal zum vollen Durchbruch kam, so beiden Provenzalen die weibliche Seite desselben, diecourtoisie. Frauenverehrung stand im Mittelpunkt der im süd-
x ) Teilweise geleitet von Fauriel schrieb auch noch KarlWeinholdin der ersten Auf läge seiner'Deutschen Frauenin dem Mittel-alter'(Wien 1851, S. 161f.) der überlegenen geistigen und materiellenKultur der „Araber Spaniens und des Morgenlandes" und ihrerLiebespoesie einen starken, freilich recht unbestimmt gefaßten Einflußzu auf die Entstehung des provenzalischen Minnesangs. In der späterenBearbeitung seines Buches ließ er diese ganze Darlegung fort.
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