Der Ursprung des mittelalterlichen Minnesangs 267
bereitet hat, durchzufühlen" (S. L.). Und er setzt hinzu (S. LI):„Eben so fühlbar ist oft der heiße Athem maurischer Poesie,nur bey Übergang über die Sierras in etwas abgekühlt; und diegroße sittliche Ungebundenheit, die man diesen Dichternnicht mit Unrecht vorgeworfen, hängt zum Theil mit der scharfenLohe dieses Elementarfeuers zusammen. Es ist nicht zu zweifeln,daß die provenzalische Poesie bey dieser Arabischen manchesLicht gezündet, aber sie hat auch Feuer bey sich selbst geschlagenund dasselbe Verhältnis tritt wieder zwischen jener Dichtungund der Teutschen ein". Er betrachtet dann das im Provenza-lischen begegnende Reimsystem, „daß alle Reime in der erstenStrophe nur aufgegeben wurden und durch alle folgenden erstgelöst und gebunden, so daß diese sich gleichsam im Kreise umdie Grundstimme her ordnen, und diese in einem vielfachenEcho wiedergeben", als „ohne Zweifel aus dem Arabischen indiese Poesie übergenommen" (S. LIII. LIV). Das ist etwagleichzeitig mit Schlegels 'Observations' geschrieben, die soscharf den historischen Zusammenhang der Troubadour- undder arabischen Liebespoesie ablehnten (s. Sitzungsberichte 1918,S. 864 Anm. 2, wieder abgedr. 'Vorspiel' Bd. 2).
Im Zeitalter der Romantiker spielen überhaupt die Be-ziehungen zur arabischen Kultur und Dichtung da, wo es gilt,die Ritterbildung zur Anschauung zu bringen und namentlichden Ursprung der Gralsritter geschichtlich zu erklären, eine be-deutende Rolle. Auch hier hat Görres durch blendende Gedanken-blitze Wirkungen hervorgebracht, die in Richard WagnersParsifal-Etymologie bis zu unsern Tagen dauern. FouquesRoman 'Der Zauberring', den ich als Knabe mit glühendenWangen las, faßte diese phantasievollen Vorstellungen einermittelalterl ; chen westöstlichen Kultureinheit farbenprächtig zu-sammen. Die Glaubensformel der Romantik'Ex Oriente lux', einVermächtnis des 18. Jahrhunderts und nach Herders großerWeltdeutung von Novalis und den Brüdern Schlegel in neuemLichte poetisch, philosophisch, historisch entwickelt, begünstigteja den Trieb, die Blüte ritterlicher Bildung mit dem Orient zuverknüpfen.
Innerhalb der romanistischen und germanistischen Fach-wissenschaft bleibt dagegen hinfort die Möglichkeit, daß ara-bischer Anstoß auf die provenzalische Minnedichtung gewirkthaben könne, bald völlig beiseite. Diez freilich hatte sich noch
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