Der Ursprung des mittelalterlichenMinnesangs 265
gegeben, aber gerade für die ritterliche Frauenverehrung, fürden ritterlichen Minnedienst und Minnesang findet man keineVorbilder bei den Arabern.
Eingehend und gestützt auf eine immerhin nicht unbe-trächtliche fachmäßige Kunde orientalischer Kultur und Poesiehat der Göttinger Professor Joh. Gottfr. Eichhorn 1 ) dieAnsicht erwogen, daß die eigentliche Quelle des provenzalischenMinnesangs und Minnedienstes dort zu suchen sei, von wo über-haupt das abendländische Rittertum bestimmende Einflüsseerfahren habe: bei den spanischen Arabern. Er, dem un-bestritten das Verdienst zukommt, die 'Einleitung in das AlteTestament' als eine eigene Disziplin innerhalb der biblischenWissenschaft begründet zu haben, indem er die Grundsätzephilologischer und historischer Kritik auf das gesamte AlteTestament anwandte und zugleich damit die literarische undgeschichtliche Einführung in die heiligen Schriften verknüpfte,der die achtzehn Bände seines 'Repertorium für biblische undmorgenländische Literatur' zahlreichen Abhandlungen aus allenGebieten der orientalischen Philologie, auch aus den Real-fächern, geöffnet und dabei sowohl für Fachgelehrte wie auchfür einen weiteren Leserkreis gesorgt hatte, mochte gewissermaßenberufen erscheinen, Herders Anregungen folgend, dieses ganzeKulturproblem zu beleuchten. Indessen bleibt er in seiner weit-aussehenden Untersuchung 'Über den Einfluß der Morgenländerauf das Ritterwesen' doch wieder ganz in pragmatischer Ge-schichtskonstruktion und in gewagten Folgerungen aus allge-meinen Analogien stecken 2 ). Er macht einen ziemlich erfolg-losen Anlauf, die,, romantische Stimmung", den „roman-tischen Geist" zu analysieren und geschichtlich zu erklären,die sich im Schöße der Ritterschaft entwickelten und sich in„Galanterie und exaltierter Liebe und in Begierde, seltene Aben-teuer zu bestehen, äußerten". Und da,.dieromantische Liebe"bei Morgenländern und Europäern, wie er glaubt, in ihrem Ur-sprung nicht zusammenhängt, sondern bei beiden sich für sichselbst erzeugte, so begnügte er sich, „die Ähnlichkeiten aufzu-suchen und sie hinzustellen, ohne gerade bey jedem Punkte die
x ) Vgl. über ihn Siegfried, Allgem.Bd. (1877), S. 731, 732ff.
Deutsche Biographie
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2 ) Eichhorn, Allgem. Gesch. d. Kultur u. Literatur des neuenEuropa, 1. Bd. (1796), S. 27. Erläuterungen u. Beweise 2, S. 21ff.