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Literatur und Kunst des Mittelalters
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Auch die Ansicht fand ihre Vertreter, daß in dieser Kultur-gemeinschaft die Araber überwiegend die Gebenden gewesenseien und daß sie insbesondere die ritterliche Galanterie, dieritterliche Minnepoesie angeregt hätten.
Anderseits fehlte es nicht an Widerspruch 1 ). Eine gewisseKulturgemeinschaft und ein Kulturaustausch wird wohl zu-
poesie Arabe et Celle des Provencaux' Claude Fauriel, Histoirede la poesie Proveneale, Tome 3, Paris 1846, S. 310 bis 341 mit demErgebnis: „les Arabes d'Espagne eurent sur la civilisation du midi dela France une influence directe et positive, et sur la poesie nee de cettecivilisation une influence indirecte." Eine verwandte Auffassung äußertLudwigWachler, Handbuch dei Geschichte der Literatur, 3. Um-arbeit., 2. Teil, Leipzig 1833, S. 161f.: „Das Gebiet der nach Spanien,Italien, Nordfrankreich, England durch ritterliche Wanderungen undWechselwirkungen verbreiteten proven calischen Poesie umfaßt den ganzenSüden Frankreichs von der Loire an. In diesen milder beherrschtenLändern hatten sich mehrere Überbleibsel griechischer und römischerZivilisation erhalten und die Grundlage des Nationallebens war durchjüngere fremdartige Zumischungen weniger verwirrt worden ... Eswar ein glückliches Land, begünstigt von der Natur, bewohnt von reg-samen heiteren Menschen . . . Aus der schon lange waltenden Sitte,öffentliche Feierlichkeiten nicht ohne Gesang zu begehen, erwuchs dievon Nationalsängern, Troubadours gepflegte fröhliche Kunst (la gayescience, wie sie späterhin benannt wurde) oder der lyrische Minnegesang,von welchem Schulweisheit ausgeschlossen blieb. Bey aller heimi-schen Eigenthümlichkeit ist die "Verwandtschaft dieserPoesie mit der arabischen in Stoff und Kunstgestalt nichtzu verkennen".
*) Friedr. Bouterwek, Gesch. d. Poesie u. Beredsamkeit 1. Bd.,S. 19: „Durch das Ritterwesen bekam auch die Poesie n Europa einenganz andern Charakter"; S. 20: „Aber das Licht, in welchem dem echtenRitter seine Dame erschien, ... ist nichts Geringeres als die Seele derneueren Poesie". „Mehrere Schriftsteller haben die Vergötterung desWeibes, diesen Hauptzug im Charakter der romantischen und ritter-lichen Liebe, aus dem Morgenlande herleiten wollen, als ob alle Schwär-merei von dort her sein müßte"; S. 21: „Der arabischen Liebespoesiefehlen aber bei aller schwärmerischen Verschönerung, Sehnsuchtsklagen,Erinnerungsfreuden die Vergötterung des Weibes, die auf mißverstande-ner Achtung beruht, die fast religiöse Ehrerbietung, die Verschmelzungder Liebe mit der Religion im Herzen". S.25: „Erster Inhalt der neuenPoesie wurde die neue Art, zu lieben . . . Die Entstehung der neuerenLiebespoesie in der Provence und den angrenzenden Gegenden ist einneuer Beweis, daß die ritterliche Galanterie nicht arabisch-spanischenUrsprungs ist. Sie hatte in Spanien durch die Bekanntschaft und dieKämpfe der Christen mit den maurischen Arabern nur einen phantasti-schen Schwung genommen".