Der Ursprung des mittelalterlichen Minnesangs 263
unter den zwei Ursachen des Rittertums neben den Arabern(s. Sitzungsberichte 1918, S. 964f., 'Vorspiel' Bd. 2) die Nor-mannen genannt: „Was die Araber von Süden anfingen, dazutrugen von Norden auch die Normänner in Frankreich, Eng-land und Italien noch mächtiger bei". „Als ihr romantischerCharakter, ihre Abenteuerlust und ihre nordische Hoch-achtung gegen die Frauen mit dem feineren Ritter-tum der Araber zusammentraf, so gewann solches damitfür Europa Ausbreitung und Geltung".
In mehreren kultur- und literarhistorischen Darstellungendes achtzehnten und des beginnenden neunzehnten Jahrhunderts,namentlich in französischen, wurden mit Vorliebe Rittertum,Wappen- und Turnierwesen, ritterliche Hofsitte und Liebespoesiebetrachtet und erklärt aus dem Gesichtspunkt einer Kultur-gemeinschaft oder wenigstens Kulturberührung, diezwischen dem abendländischen Adel und den arabischenHöfen einerseits der Verkehr des friedlichen Zusammenwohnens,anderseits die Glaubenskämpfe, die Kreuzzüge in Spanien wieim Orient hervorgerufen hatten 1 ).
"X.
J ) Vgl. z. B. J.C.L. SimondeSismondi, Die Literatur dessüdlichen Europas, Deutsch von L. Hain, Bd. 1, Leipzig 1816 [dasfranzösische Original Paris 1813], S. 58: 'Einfluß der Araber auf dasTalent und den Geschmack der Troubadouren', S. 69f.: „Diese Zartheitin den Gefühlen der Troubadouren, dieser Mystizismus der Liebe hatteeinen innigeren Zusammenhang mit der arabischen Dichtkunst undden Sitten des Orients als man glauben möchte . . . Die Frauen sindden Muselmanen Gottheiten ebensowohl als Sklavinnen .. . Die Ge-sänge, in welchen er seine Liebe feiert, athmen dieselbe Verehrung, die-selbe Anbetung, die wir in der Ritterpoesie finden, und die schönstenGhazelen der Perser, die schönsten Cassiden der Ar aber scheinen ÜberSetzungen provencaler Lieder oder Verse ... die Araber, die mit soviel Leidenschaft ihre Frauen liebten, ließen sie einer größeren Freiheitgenießen; und von allen den Arabern unterworfenen Ländern war Spaniendasjenige, wo ihre Sitten sich am meisten der Galanterie, demRittertum der Europäer anzunähern schienen; auch war es dasjenige,das am mächtigsten auf die Geisteskultur im Süden des christlichenEuropas einwirkte". FrancoisVillemain, Tableau de la littera-ture au moyen äge, Paris 1830 (Cours de litterature francaise 1, Nouv.ed., Paris 1878, S. 12): „La douceur du climat [des südlichen Frank-reichs], je ne sais quelle impression chevaleresque et genereuse venuedel'Espagne et meme des Mores, avaient communique aux habitants uneelegance poetique, qui se rapproche un peu de l'humanite des temps.modernes"; ein ausführliches Kapitel widmet dem 'Rapport entre la