Der Lo nginus-Sp eer in eschatologischem Lichte 251
liehen Kämpfern, darunter auch Juden oder Leuten in jüdischerVerkleidung, mit ungeeigneten oder gar lächerlichen Waffenausgeführt wurden, und wirkte die Sitte bei der Entstehung derRedensart mit? Als Analogie und Vorstufe könnte man dieScherzgefechte zwischen den antiken Gladiatorenkämpfen heran-ziehn. Caligula veranstaltete Gladiatorenkämpfe von alten ge-brechlichen Leuten, unter Nero kämpften auch Frauen als Gladia-toren in der Arena, Domitian ließ Frauen und Zwerge mit einanderkämpfen (Friedländer, Sittengeschichte Roms 6 II 535 Paegniari;P. G. Meier, Westdeutsche Zeitschr. 1 157; Realenzyklopädie derklassisch. Altertumswissenschaft III 2,1278; Supplement III76).Allein ich vermag ein Fort- oder Wiederaufleben dieses Rrauchsin den mittelalterlichen Kampfspielen nicht nachzuweisen, wennauch aus Frankreich, Italien und Deutschland vereinzelte Nach-richten vorliegen über scherzhafte FrauenLurniere als Mummen-schanz zur Faschingszeit oder bei ähnlichen Gelegenheiten(Parzival 409, 5—18 und E. Martins Ausgabe Rd. 2 S. 324;Fr. Diez, Leben und Werke der Troubadours, 2. Aufl., S. 234bis 237; H. Holland, Germania 1861 Rd. 6, S. 467f.; AlwinSchultz, Höfisches Leben zur Zeit der Minnesinger 2 II 118 undAnm. 2). Auch würde bei einer Herleitung auf diesem Wegeunerklärt bleiben, wie der Ausdruck zum Rüde nicht etwa füreine leichtere Spielart des Wuchers, sondern gerade für die be-sonders verheerend wirkende Methode des Wuchers dienenkonnte.
Der Gleichsetzung von 'Judenspieß' und Longinus-Speerliegt die Auffassung zugrunde, daß Longinus Jude und an dem.mörderischen Frevel gegen den Heiland entscheidend beteiligtwar. Diese Auffassung lag nahe und war früh weit verbreitet.Es ist nur eine Konsequenz davon, Wenn in dem apokryphenEvangelium infantiae Arabicum (Tischendorf, Evangelia apo-crypha 2 , 1876, S. 199f.; vgl. Jacoby, Zeitschr. für deutschesAltert. 1913 Rd. 54, S. 200—206) Judas Ischarioth und Longinuszusammenfallen.
Am Schluß stehe hier aber ein gewichtiges Zeugnis für dieRichtigkeit meiner Erklärung. Ich verdanke es einer versteckten,von mir lange übersehenen kleinen Miszelle Anton Rirlingers(Rirlingers Alemannia IX, S. 88 als Nachtrag zu Alemannia IIIS. 186, VII S. 94). Es befindet sich in Fischarts 'Gargantua'Kap. 27 (Hallischer Neudruck von Alsleben 1891, S. 301, Z. 9):