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Literatur und Kunst des Mittelalters
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„Die Witwen vnnd Weisen, die jhr verderbt, werden genugRaach vber euch schreien, alsdann nemm euch der Teuffei zumGiselpfand: Der möcht euch auff kein Rad Malen [auf keinemRade zermahlen], vnd an die Kacken [Pranger] hefften, sonderneuch gar auffs Rad den Rechten einsatz vnd das widergelt geben,auff eitel Longins Judenspiessen: da hütet euch jhr Herrn,welche gelbberingelte [s. Hildebrand D. Wörterbuch IV, 1, 2,Sp. 2883. 2884] vnnd vngberingelte [unberingelte] Juden denVnderthanen zuschaden ziehet. Leut die man im Eilend soltbehalten, den hülfft man zu Reichthumb von aller heydenHemdath der Goym [von den Hemden der Heiden, der Gojim,d. h. der Nicht-Juden]; müssen [es müssen] als [also, auf dieseWeise] die Herrn dienen, vnnd solche Dieb müsig ziehen [inFreiheit und Behagen leben], als wann ein Haußvatter einpockechte Hur im Hauß ziecht, die jhm sein Sön vnd gesind ver-giftet."
Diese in den Einzelheiten des Wortlauts nicht leicht ver-ständliche, als Ganzes aber in ihrem Sinne vollkommen klareBeschwerde eifert wider dieselben sozialen Vorgänge, auf dieeinst Sebastian Brants Narrenschiff in den beiden gegen dieWucherer und neuen Reichen gerichteten Kapiteln (oben S. 217)die Pfeile seines Zorns geschnellt hatte. Das Emporkommen derwucherischen Spekulanten und Ausbeuter, die statt in Niedrig-keit als Fremdlinge zu verharren und durch gelbe Ringe an ihrenMänteln als Juden gekennzeichnet zu bleiben, Eintritt findenin die höheren Kreise und nun die Rolle der Herren spielen, er-scheint als ein Frevel. Dafür müßte der Teufel von allen, diedaran handelnd beteiligt sind oder es zugelassen und dadurchgewirkt haben, wie ein Hausvater, der in seine Familie eineHure aufnimmt und so seine Kinder und sein Gesinde vergiftet,Buße und Vergeltung nehmen, nicht auf Rad und Pranger,sondern auf des Longinus Judenspießen. Hier ist also derZusammenhang des Judenspießes und des Longinusspeers inklaren Worten ausgesprochen. *