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1,1 (1925) Mittelalter
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243
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Der Lo nginus-Speer in esc hato logischem Lichte 243

Motive. So kann es nicht Verwunderung erregen, daß ich diefehlenden Zeugnisse, die geeignet sind, zwischen dem nachge-wiesenen Beleg für die Vorstellung eines Judenturniers imDienste des Antichrists und dem Bilde vom Speer des Longinusals der Waffe eines solchen Judenturniers eine lückenlos ge-schlossene Brücke herzustellen, bisher nur in nichtdeutscherLiteratur gefunden habe. Das ist ein Zufall. Es kann kaumeinem Zweifel unterliegen, daß man entsprechende Zeugnisseauch auf deutschem Boden künftig entdecken wird.

Die Vorstellung, daß die wachsende Weltlust und ihrKampf gegen die wahren Mitglieder der Civitas Dei sich als einTurnier zwischen dem Antichrist mit seinem Gefolge und demwiederkehrenden Christus mit seinen Getreuen abspiele, hatein französisches Gedicht von Huon de Mery 'Das Turnierdes Antichrist' im zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts geist-reich-beredt, mit Anmut und mit viel realistischer Beobachtungs-kraft, aber nicht ohne allegorische Überladung und Spitz-findigkeit dargestellt. Es ist das merkwürdige Produkt einerMischung der Stilkunst der Artusromane, eines Christian vonTroyes und seiner Nachfolger, mit der spätantiken Manier der'Psychomachie' des Prudentius und der tiefsinnig schwülstigendes 'Anticlaudian' Alans von Lille. Zugleich aber ein Gedichtmit Zukunftskraft: seine Stadt der Verzweiflung, darin derAntichrist seine Turniergenossen ausrüstet, ist ein Motiv, dasbei Dante fortklingt. Hier besteht nun der Antichrist mitseinem Heer personifizierter Laster und heidnischer Götter,unter denen Proserpina voranschreitet, in ritterlichen Tjostenden Kampf gegen Christus, dessen Turnierschar die Erzengelführen 1 ). Christus trägt aber selbst als Turnierlanze denSpeer, mit dem Longinus seine Seite durchbohrte 2 ).

*) Li tornoiemenz Antecrit von Huon de Mery, hrsg. von GeorgWimmer, Marburg, Elwert, 1888 (Stengels Ausgaben und Abhandlungen76), dazu Max Grebel, Le tornoiment Antechrist par Huon de Meryin seiner literarhistorischen Bedeutung, Leipziger Dissert. 1883.2 ) Vers 124895, "Wimrner S. 62:

Onques de sa lance miex peinteNe fu glaive ne javeloz,Qu'ele ert a petiz angelozDe blanc argent sus azur inde.Li fers estoit de l'acier d'IndeQui fu trez du cors Jhesu Crit,

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