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1,1 (1925) Mittelalter
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241
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Der Longinus-Speer in eschato togischem Lichte 241

gebildete Männer des Zeitalters, z. B. der bekannte Wiener Uni-versitätsprofessor Heinrich von Langenstein, teilten diesenGlauben an den nahenden Antichrist und seine Vorbereitungdurch das Aufstreben der Juden. Aber auch die Juden selbstwaren erfüllt von der Erwartung einer für die nächste Zukunftprophezeiten messianischen Endzeit mit vorausgehenden schwe-ren 'Wehen' voller Not und Peinigung, mit dem Auftreten einesfalschen Messias 1 ). Auf beiden Seiten also stand das Bild deskommenden Heils der Erlösung und eines Vorspiels der Schreckenund der Herrschaft des Bösen in heuchlerischer Maske festals eine objektiv gegebene Größe. Sehr möglich, daßauch auf dem Weißenfelser Judenkongreß solche messianisch-eschatologische Stimmungen und Erwartungen zu Wortekamen, da gerade im Kreise der deutschen Juden die dazuneigende kabbalistische antitalmudische Mystik eine starkeMacht besaß 2 ).

Meine frühere Abhandlung hatte betont, wie namentlichin den Passionsspielen Longinus mit den jüdischen Wechslern,die Jesus aus dem Tempel verjagte, in einen festen Zusammen-hang gebracht wird, als Werkzeug ihrer Interessen und ihrerBache auftritt. Ich hatte von dieser Auffassung aus den Weggefunden zu der Vorstellung, die dem fraglichen Turnierbilde,Bennen mit dem Judenspieß, zugrunde liegt, und auch erinnertan die dem Mittelalter und späterer Zeit naheliegende Gleich-setzung des Longinus-Speers mit dem Stechmesser des jüdischenBitus 3 ). Heute möchte ich besonders hervorheben, daß denmeisten mittelalterlichen Judenverfolgungen die Beschuldigungvorherlief, die Juden hätten eine Hostie, d. h. das durch dieeucharistische Konsekration in den Leib Christi verwandelteBrot des Abendmahlsakraments angestochen und sonst ge-schändet 4 ). Dieser typische Vorwurf enthält ja nichts anderes

!) Vgl. die oben S. 231, Anm. 3 angeführten Nachweise.

2 ) Die Beziehungen dieser jüdischen Kabbalistik zur christlichenPhilosophie und Mystik, zur politisch-religiös-sozialen Publizistik des13. bis 15. Jahrhunderts bedürfen eindringender und umfassender Unter-suchung. Quousque tandem!

3 ) Ilbergs Neue Jahrbücher 1916, I. Bd. 37, S. 37ff., 47ff.(oben S. 203 ff., 210 f., 214).

4 ) Stobbe, Die Juden im deutschen Mittelalter S. 187, 292;Graetz, Gesch. d. Juden Bd. 7, S. 327 (von den Juden durch-stochene wundertätige Hostie in Deggendorf 1337).

Bnrdaoh, Vorspiel. 16

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