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Literatur und Kunst des Mittelalters
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seiner Diener und Anhänger. Und in dieser Sage vomAntichrist nimmt eine feste Stellung ein sein Verhältnis zumJudentum.
Dieser Antichrist, hieß es, wird sich in jüdischer Gestaltzeigen. Er wird zuerst als Anhänger die Juden gewinnen, dieschon längst ihm gedient und sein Reich vorbereitet haben,wird den Tempel in Jerusalem aufbauen und sich dort anbetenlassen. Die Erhöhung der Juden, die man im Abendland anverschiedenen Stellen, durch ihr soziales Emporsteigen, ihrenZutritt zu den Höfen und Staatsämtern, ihren Reichtum undihre Macht im kaufmännischen Leben voller Abneigung undNeid gewahrte, ihre wucherische Ausbeutung aller Kreise undStände, das gehört alles zum Vorspiel oder zur Einleitung derHerrschaft des Antichrists. Wer also dieser Macht der JudenAbbruch tut, ihren Reichtum verringert, ihr Hab und Gut raubtoder zerstört, der schädigt und schwächt den Antichrist, derdient Gott in besonderer Treue.
Dieser Wahn wirkte besonders aufreizend mit bei denJudenverfolgungen und Judenschuldentilgungen der Reichs-städte und König Wenzels. Vollendet wurde diese Tilgung derJudenschulden wenige Jahre nach der Weißenf eiser Besprechung.Auf eine grauenhafte Zerstörung der Prager Judenstadt undNiedermetzelüng ihrer Bewohner, die wieder, wie so oft diefrüheren Exzesse gegen die Juden, veranlaßt war durch eineangeblich von jüdischen Kindern verübte Schändung der Hostie,am Ostertage des Jahres 1389, folgte dann bald die Konfiskationdes Prager Judenraubs, die Schutzhaft aller Juden im König-reich Böhmen und die Einziehung ihres Vermögens, im nächstenJahr die völlige Löschung aller bestehenden Judenschulden inBayern, Franken, Schwaben, am Rhein, in der Wetterau undin Thüringen, unter Abführung beträchtlicher Prozente an denKönig 1 ).
Uns erscheint das heute alles wie ein Ausbruch irrsinnigerRache eines gedrückten und durch wucherische Ausbeutungempörten Volkes. Aber es wirken dabei in der Tiefe doch starkereligiöse Bedürfnisse und Empfindungen mit, die aus einer weitzurückliegenden Vorzeit unvergänglich fortleben. Auch hoch-
') Lindner, Gesch. d. Deutsch. Reiches unter König Wenzel,Bd. 2 (1880), S. HOL; * Süß m ann , a. a. O. S. 98 ff. 109ff. *