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Frauen und Töchter wie Fürstinnen mit Gold, Perlen und Edel-steinen. Sie sind gleichgültig gegen die Religion, verachten dieBescheidenheit, hassen die Händearbeit und frönen dem Müßig-gange. — Sie denken nur daran, sich steuerfrei zu machen unddie Last der Abgaben auf die ärmeren Klassen zu wälzen. DieReichen lieben Tanz und Spiel, kleiden sich in die Landestrachtund gehen mit geglättetem Bart einher" 1 ).
Wenn der Lübische Chronist von jenem WeißenfelserJudentag erzählt, es seien fremde Juden aus allen Ländern, ausRom und Jerusalem sogar, dort zusammengekommen, wenn erin Übereinstimmung mit der von dem jüngeren MagdeburgerChronisten überlieferten Aussage berichtet, daß der HallischeRitter ihnen großes Gut abgenommen habe und dessen Wertdanach bemißt, daß allein den jüdischen Frauen für mehr alsfünftausend Mark Geschmeide geraubt worden sei, so stimmtdas vollkommen mit dem Bilde, das wir uns von den damaligenZuständen des Judentums machen müssen. Wen es aber un-glaubhaft dünkt, daß jüdische Delegierte aus Jerusalem nachThüringen zu einer Beratung gekommen sind, der sei auf denlebhaften Verkehr des europäischen und gerade des deutschenJudentums mit den irsaelitischen Gemeinden in Palästina hin-gewiesen, der aus verschiedenen Ursachen stets bestand und sichimmer wieder, trotz manchen Schwierigkeiten, erneute. Palästinaund Syrien blieb vielen gläubigen Juden die Stätte der Sehn-sucht und der Hoffnung 2 ), bot ihnen oft auch eine Zuflucht vorunerträglicher Bedrückung im Abendland. Namentlich knüpftedie unter den Juden nie einschlafende messianische Apoka-lyptik, dann aber auch die kabbalistische Bewegung mitihrem Hang zur Mystik und ihrer Opposition gegen den Mai-monismus und Aristotelismus ein festes Band zwischen dendeutschen Judengemeinden und gewissen unruhigen Geisternin den Gemeinden Palästinas, das sich in oftmaligen Reisen,Botschaften und Sendschreiben bemerkbar macht 3 ).
J ) Graetz, Gesch. d. Juden, 8, S. 37f.
2 ) Vgl. auch Güdemann, Gesch. d. Erziehungswesens undder Cultur der abendländischen Juden Bd. 1, S. 147f.
3 ) Ich denke dabei z. B. an die Auswanderung deutscher Judennach Syrien zu dem vom Islam sich abwendenden, den Juden undChristen geneigten Mongolen-Chan Argun (1284—91) und an den mäch-tigen Einfluß von dessen jüdischem Leibarzt Saad Addaula (Graetz,