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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

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Die Nachricht der Magdeburger Schöppenchronik, daß dieJuden 1385 in Weißenfels einen 'Hof gehalten hatten, wie dieErläuterungund stachen und turnierten da", braucht nach demErgebnis meiner Darlegung kein reines Märchen, kein bloßerWitz, keine bloße Stilblüte zu sein. Der Audsruck hatte vielmehreine gewisse objektive Unterlage in bestimmten Vorgängen aufdiesem Judentag.

Nun sagt aber der ausführliche Bericht in der zeitgenössi-schen Chronik des LübeckerDominikaners, der in jeder BeziehungGlauben verdient: die Versammlung war zwar mit einem großenApparat veranstaltet, durch Privilegien und Geleitbriefe 1 ) der

a. a. O., 7, 173. 183); an den schwärmerischen Kabbalisten und Welt-reformator Abraham Abulafia aus Saragossa (gest. nach 1291), der inmessianischer Absicht nach Palästina reiste, um die am sagenhaftenFluß Sabbation angesiedelten altisraelitischen Stämme aufzusuchen, unddann in Spanien, Italien, Sizilien, endlich auf der Insel Comino bei Maltaseine theosophische Magie und messianische Prophetie verbreitete, sichselbst für den Vorläufer des Messias hielt und für 1290 den Anfang derGnadenzeit verhieß, auch in Spanien sich zwei Jünger als Verkünder derNähe des Messiasreiches erweckte, die das Jahr 1295 als Beginn der Er-lösung ansagten (ebd. S. 191199); an die von Graetz (a. a. O. 3 5,Note 16, S. 406ff., 6, S. 5355, 7, Note 7, S. 408ff.) besprochenenjüdischen Messiasapokalypsen; an die Agitationsreisen des nach Akkoausgewanderten französischen Kabbalisten Salomon Petit, die ihn nachDeutschland, Italien und wieder nach Akko führten, ihm gerade inDeutschland die Anhängerschaft und zustimmende, gegen Maimonisich richtende Sendschreiben deutscher Rabbiner eintrugen, mit denener in Akko eine Propaganda betrieb, die er auch durch die bekannteGeschichte von des Aristoteles Liebesleidenschaft für die GemahlinAlexanders (s. von der Hagen, Gesamtabenteuer Bd. 1, S. LXXV bisLXXXII. 2135) würzte (Graetz, a. a.O. 7, S.157ff. 164); an das Send-schreiben des Enkels Maimonis, David Maimoni, der 1289 auch nachAkko reiste (Graetz, 7, S. 166); an den nach Palästina ausgewandertenaragonischen Kabbalisten Isaak Chelo, der von dort Sendschreiben nachEuropa schickte (Graetz, 7, S. 282). Vgl. auch Güdemann a.a.O.Bd. 1, S. 67f. über den Streit der Maimonisten und Antimaimonisten;S. 153 bis 177 und Bd. 3, S. 203f. über die Beziehungen zwischenjüdischer und deutscher Mystik; Bd. 2, S. 167182 über die jüdischeMystik in Italien.

*) Über diese Geleitbriefe der Juden und das ihre Voraussetzungbildende Geleitgeld, das, ursprünglich Prämie für eine Schutzsicherung,längst ein Judenleibzoll geworden war und mit der Aufhebung der Frei-zügigkeit der Juden Hand in Hand ging, s. Stobbe, Die Juden inDeutschland S. 40ff. 26; über das Geleitrecht des Königs und der Landes-herren im allgemeinen s. Rieh. Schröder, Lehrb. d. deutschenRechtsgesch. (1907), S. 541, 602f. [6. Aufl., 1919, S. 576, 645 f].