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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

II

zwischen Pedro und Don Heinrich, der nun den Thron bean-spruchte und nicht nur König Pedros Geliebte und Gattin Mariade Padilla für eine Jüdin, sondern jenen selbst für ein unter-geschobenes jüdisches Kind erklärte. Der Judengönner Pedrowurde vom Papst gebannt, und der mit wechselndem Glückgeführte Krieg, in den zeitweilig auf Pedros Seite auch englischeHilfsvölker unter dem Prinzen von Wales, demschwarzenPrinzen", und Truppen des muhammedanischen Königs vonGranada eingriffen, wurde stellenweise fast zum KreuzzugFrankreichs wider die Juden. In den Städten kämpften dieJuden tapfer für ihren König, und sie traten auch als Soldatenin sein Heer. Bei der Niederlage und dem Untergange Pedroshatten sie am schwersten zu büßen. Judenfeindliche Fabulistikschlang in Romanzen, Liedern und Epen um diese wirren undgrausigen Geschehnisse einen aufreizenden Strahlenkranz. Undgewiß ist ein Abglanz davon auch in Deutschland empfundenworden. Die kastilische Judenschaft war durch den Ausgangdes Bruderkriegs stark zerrüttet, zu einem beträchtlichen Teilaufgerieben oder verarmt. Der neue König drückte ihre bis-herige Gleichstellung herab, indem er das anderwärts längstherrschende Judenabzeichen einführte und die Annahme spa-nischer Namen verbot. Gleichwohl kam auch er ohne jüdischeStaatsbeamte, Schatzmeister und Steuerpächter nicht aus.So blieb für den noch übrigen Rest der kastilischen Juden deralte gesellschaftliche Vorrang, der Zutritt bei Hofe, bestehen 1 ).Aber damit auch die Quelle für die immer sich verstärkendenKlagen über jüdischen Wucher und jüdische Ausbeutung. DieLebensweise dieses jüdischen Adels in Kastilien schildert der'Zuchtspiegel' eines jüdischen Zeitgenossen im Jahr 1415 sehranschaulich:

Die meisten jüdischen Großen, welche an den Höfen desKönigs verkehren, denen die Schlüssel zu den Staatsschätzenübergeben wurden, tun stolz auf ihre hohe Stellung und ihrenReichtum und gedenken nicht der Armen. Sie bauen sichPaläste, fahren auf Prachtwagen oder reiten auf reichgeschmück-ten Mauleseln, tragen Prachtgewänder und schmücken ihre

x ) Vgl. Lo s er th , Geschichte des späteren Mittelalters von 1197bis 1492, München-Berlin, R. Oldenbourg, 1903, S. 349ff.; Graetz,Gesch. der Juden 3 7, S. 364372. 8 (1890), S. 18f.