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1,1 (1925) Mittelalter
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Literatur und Kunst des Mittelalters

V

ung, die deutlich zuerst 1103 der Landfriede des humanenHeinrich IV. ausgesprochen hatte, daß die Juden im Reichunter dem Frieden des Königs stünden, einen festeren, realerenInhalt und die offenkundige finanzpolitische Stütze. Eike vonRepgau im Sachsenspiegel hat sein 'Judenrecht' aber nochohne Beziehung auf diese fiskalische Annexion der Juden undihres Vermögens formuliert. Wohl bestimmt er, daß sie nachuraltem Gesetz unter des koninges vrede stehn, den ihnenKönig Vespasian,,zumDank dafür erworben habe, daß der JudeJosephus seinen Sohn Titus von der Gicht geheilt 1 ), wohlberuft er sich für die Stellung der Juden auf den alten Frieden,den die Gewalt des Kaisers einst dem Sachsenlande festgesetzthabe 2 ). Aber wenn hier auch Gut und Leib der Juden in gleicherWeise wie Geistliche, Frauen und Jungfrauen in den Schutzdes Königsfriedens gestellt, also dem Waffengebrauch entrücktwerden, so rechnet das Rechtsbuch doch damit, daß in derWirklichkeit Juden zuweilen auch Waffen tragen und führen 3 ).Der Schwabenspiegel hat dann die kaiserliche Kammer-knechtschaft noch nachdrücklicher eingeschärft und mit ge-schichtlichen Märchen genauer begründet: bei der ZerstörungJerusalems soll ein Drittel der Juden von Josephus gerettetsein, und diese habe man dann, je dreißig für einen schlechtenPfennig, verkauft als Sklaven; der König Titus aber habe siein des romischen küniges kamer ze eigen gegeben, und infolge-dessen sind sie nun des riches knehte und der romische künic solsi schirmen*). Indessen an dem Begriff des Kammerknechtshaftet zunächst noch nichts Ehrenrühriges oder gar Ehrloses.Die so bezeichneten Juden sind keineswegs Sklaven ohne per-

x ) Sachsenspiegel III, 7, 3 hrsg. von Homeyer l 3 (1861), S. 306:Dissen vrede erwarf en josephus weder den koning vaspasianum, do hesinen sone titus gesunt makede von der jecht.

2 ) Sachsenspiegel II, 66,1, Homeyer S. 294: Nu vernemet den aldenvrede, den die keiserlike gewalt gestedeget hevet deme lande to sassen, mit derguden knechte wilkore von deme lande. Alle dage unde alle tiet solen vredehebben papen unde geistlike lüde unde wif unde megede unde joden, anirme gude unde an irme live.

3 ) Sachsenspiegel III, 2, Homeyer S. 302: Papen unde Juden diewapen vüren unde nicht geschoren ne sin na irme rechte, dut man in gewalt,man sal in beteren als eme leien, wende sie ne solen nene wapen vüren, diemit des koninges dagelikes vrede begrepen sin.

*) Schwabenspiegel Kap. 214, § 3. 6, hrsg. von Gengier S. 175.