Der Judenspieß und die Longinussage
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der wuchernde Judenspieß aber soll gerade als kräftigw rksam erscheinen. Außerdem muß man betonen: in derbildenden Kunst wie im geistlichen Schauspiel überwiegt immerdie alte Tradition, die den Longinus mit seinem Speer an dieSeite der Ecclesia stellt, mit ihr ideell verbindetund auf seine Tat (sei es des Mitleids oder des Hasses, der Rache)den Ursprung der christlichen Sakramente zurückführt. Undauch die Erklärung, daß die Redensart vom Judenspieß ebenbloß sich aus dem Speer oder dem Opfermesser der bildlichenDarstellungen der Synagoge herschreibe, scheitert an dem aus-drücklichen Zeugnis Jacob Lochers, das auf den die SeiteChristi durchbohrenden Longinus-Speer hinweist. Wo aberin den Kreuzigungsdarstellungen neben dem feindlichen Paarder Ecclesia und Synagoge noch Longinus auftritt, wird in derRegel der Beschauer ihn von selbst als Anhänger der Ecclesiafassen. Dann aber bilden Longinus und Synagoge gewisser-maßen einen Gegensatz. Wo dieser Gegensatz bildlich heraus-gearbeitet ist, kann natürlich Longinus nicht als Jude, nichtals Teilnehmer und Vollender des jüdischen Frevels gegen denGottessohn gedacht und versinnlicht sein. Es wäre eine lohnendeAufgabe, auch in den Schöpfungen der bildenden Kunst diebeiden entgegengesetzten Richtungen in der Auffassung desLonginus, seiner Tat, und seiner Waffe zu ermitteln, von einanderzu sondern und in ihrer Entwicklung zu verfolgen.
Künftiger Untersuchung bleibt es vorbehalten, zu er-mitteln, in wie weit bei dem Gebrauch der Judenspießwendungman auch bloß an das rituelle Opfermesser, das zum sogenanntenSchächten benutzt wird, gedacht hat. Der bildliche AusdruckHalsabschneider für einen Ausbeuter und Wucherer ist ja nochheute allgemein üblich und steht fraglos dem Bilde vom Juden-spieß ganz nahe, falls Spieß, wie es möglich ist, hier im Sinnevon Messer verstanden werden müßte, daneben sind aber diemeiner Erinnerung nach nicht seltenen bildlichen Darstellungenzu sammeln und zu würdigen, in denen der vom Speer durch-stochene, seiner Kleider beraubte Christus geradezu als Symboleines wucherisch ausgebeuteten Armen erscheint. Schon inBrants Narrenschiff selbst begegnet, woran während des Drucksmich Fritz Behrend erinnert, als Illustration zum Kapitel'Von goüeslestern' ein Holzschnitt, der darstellt, wie ein Narrmit einem wuchtigen, dreispitzigen Speer losgeht gegen den
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