Der Judenspieß und die Lo nginussage
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Dame, Reims u. a.). Allgemein bekannt sind die formenschönenStatuen am Südportal des Straßburger Münsters:die gekrönte Ecclesia, frei und offen blickend, Kelch und einenhohen kreuztragenden Stab haltend, als Gegenstück die sin-kende, mit der Linken sich stützende Synagoge mit einerSchleierbinde vor den Augen, in der Rechten den dreimalgebrochenen Speer mit scharfer Spitze. Der Kon-trast des alttestamentlichen blutigen Opfers und des christ-lichen, durch das Kreuz geschaffenen, auf dem unblutigenAbendmahlssakrament beruhenden Glaubens scheint hier an-gedeutet. Aber darf man geradezu an den im Dienste desJudentums geführten Speer des Longinus denken? In demMetzer Drogo-Sakramentar (um 850) steht der Kirche,die in der Linken eine goldene Fahne trägt und mit der Rechtenin einem Kelch Christi Rlut aus der Seitenwunde auffängt,an Stelle der Synagoge ein weißbärtiger und weißhaarigerMann gegenüber, der eine runde Scheibe trägt (Weber S. 16, 40).Man hat den Centurio der Synoptiker oder auch eine männ-liche Personifikation der Synagoge darin gesehen.Man könnte wieder auch hier Longinus suchen. Auf einemBuchdeckel des IX. Jahrhunderts (Londoner Viktoria- u. Albert-Museum), thront die Synagoge mit Diadem, Fahne und Opfer-messer haltend, neben ihr 'ein Krieger als Leibwächter'(Weber S. 23, Nr. 15 u. S. 30, Taf. II, Goldschmidt S. 66,Taf. Nr. 132 a), die Ecclesia tritt mit fortweisender Gebärdeauf sie zu. Der Krieger hält einen Speer. Auf einem spät-karolingischen Elfenbeinkästchen im BraunschweigerMuseum (IX. — X. Jahrh., Metzer Schule) entspricht derChristi Blut aus der Seitenwunde auffangenden Kirche alsKontrastgestalt ein Krieger, der wohl keine Lanze, wie Weberangibt, sondern ein Schwert faßt und der bekennende Centuriosein muß, auf einem französischen Reliquienkastendes XII. oder XIII. Jahrhunderts der Centurio: in beidenFällen als Ersatz der Synagoge (Weber S. 18, 22; GoldschmidtS. 53, Taf. 96b). Ein Elfenbeinrelief im Londoner Vik-toria- und Albert-Museum, das im 2. Band von Gold-schmidts Elfenbeinskulpturen neu reproduziert und beschriebenwerden wird*) und, wie mir Goldschmidt mitteilt, um 1000 oder
*) In dem 1918 erschienenen Band S. 32 f., Tafel XXII Nr. 67.