Der Judenspieß and die Longinussage
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ausdrückliche Erlasse dann privilegiert (s. E. Friedberg,De finium inter ecclesiam et civitatem regundorum iudicio,Lipsiae 1871, S. 99f.). Wucher und jüdisches Handelsgeschäftschienen nun gleichbedeutend. So hieß z. B. in Niedersachsendas Gewerbe des Pfandners (Haupt, zum Erec V. 875), d. h.des Leiters und Aufsehers eines Spiels mit baren Einsätzen,der den Spielern Vorschüsse machte, für sie Bürgschaft leistete,dafür aber auch eine Provision beanspruchen durfte und gegenjene das Pfändungsrecht hatte, wegen des mit dieser Tätigkeitverbundenen Geldgewinns einfach joden. Mit der Ausbildungder Landeshoheit der Fürsten erhielten diese das Becht, denJuden Wucherprivilegien zu gewähren oder einzuschränken.Die Beichspolizeiordnung von 1577 band dann das Wucher-privileg der Juden allgemein an den Höchstsatz von 5 ProzentZinsen. Vgl. Bich. Schröder, Lehrb. d. dtsch. Bechtsge-schichte, 5. Aufl., Leipzig 1907, S. 477—479, 597, 609f. Anm. 39,748 Anm. 111, 831. * 6. Aufl. 1919—22 S. 505—508, 634, 648Anm. 39, 799 Anm. 111, 894. *
Man muß indessen auch beachten: neben diesem Kampfkirchlicher und weltlicher Gesetzgebung gegen das als Wucherangesehene Zinsennehmen wuchs unwiderstehlich die Machtder die Naturalwirtschaft ablösenden Geldwirtschaft. Sie er-zwang im geschäftlichen Verkehr, was die Bechtstheorie unddie christliche Moral aus Prinzipien bekämpfte. Die Kircheselbst hat früh und in zunehmendem Maße Geldgeschäfte mitVerzinsung gemacht. Nicht bloß die gekauften Benten mußtenals zulässige Umgehungen des Zinsenverbots geduldet werden.Auch weit darüber hinaus mußten an lombardische und deutscheKapitalisten Exemtionen erteilt werden, die nach der über-lieferten Bechtsanschauung geradezu Wucherprivilegien waren.Luther kämpfte einen hoffnungslosen Kampf, wenn er diesernatürlichen Entwicklung sich entgegenstemmte und den altenBegriff des Wuchers rigoros auf jeglichen Geldgewinn ausGelddarlehen ausdehnen wollte. Aber die Empfindung, dieihn angesichts des fortschreitenden Kapitalismus und der reinfinanziellen Geschäfte erfüllte, teilte er mit vielen Moralistenund Satirikern seiner Zeit. Gewiß nicht vereinzelt war jeneMeinung, die in einer St. Blasier Handschrift von 1440 (Mone,Schausp. d. Mittelalters II 22 Anm.) sich dahin äußerte, dreiKlassen von Menschen gebe es, die Gott erschaffen, Geistliche,
B u r d a c h, VorBpiel.
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