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1,1 (1925) Mittelalter
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Der Judenspieß und die Longinussage

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einfacher Mann des Volkes oder des Soldatenstandes. Undso rückt er an den bekehrten und die Gottessohnschaft be-kennenden Centurio (Matth. 27, 54; Marc. 15, 39; 23, 47) undgreift in dessen Rolle ein. Schon im Benediktbeurer Passions-spiel des XII. Jahrhunderts war diese Vermischung der synop-tischen und der Johanneischen Figur vollzogen: dort ist esallein der blinde Longinus, der, nachdem er mit seiner Lanzedie Seite des Gekreuzigten, das sich ende siner marter pin,ohne fremde Unterstützung! durchstochen hat undnachdem Christus verschieden ist, die Worte des Centuriospricht: Dirre ist des waren gotes sun, indem er sie mit demZeichen, das Christus an ihm getan, seinen wieder sehend ge-wordenen Augen begründet (Froning S. 298f.). In der Regelagieren aber im Passionsdrama der blinde Longinus und derCenturio nebeneinander, als Schicksals- und Geistesverwandte,beide zum Glauben an Christus bekehrt und ihn bekennend,im Gegensatz zur halsstarrig bleibenden Masse der Juden 1 ).Nur selten äußert in den Passionsspielen Longinus Haßgegen Jesus als Motiv seiner Tat. So im wetterauisch-nassau-ischen Christusspiel der St. Galler Handschrift (entstandennach 1330). Hier betrachtet Longinus den gekreuzigten Messiasals Zauberer und will seine Zauberei bestrafen, indem erihn durchsticht (Mone I, 121 f.):Deinde Longinus dicat ad puerum:

Vil lieber knäbe, suche mir daz sper

an Jhesus siten ist min ger,

so wil ich in durchstechen,

daz ime sin herze muoz brechen,

sin zauber wil ich so rechen.

Diese Worte folgen zwar erst auf den Tod Christi, auf die vondem Hauptmann gemeldeten Wunderzeichen und die Toten-klage der Maria, aber ihr Inhalt scheint damit in Widerspruchzu stehen, und man könnte zweifeln, ob es der Absicht desDichters entsprochen habe, das Auftreten des Longinus mit

x ) Immerhin ist es im deutschen Passionsspiel ein vereinzelterZug, daß Longinus mit Centurio, Nicodemus, Joseph von Arimathiahilfreich bei der Kreuzabnahme Christi und der Grab-legung sich beteiligt: Donaueschinger Passionsspiel (Mone II, 331.332, vgl. Dinges a. a. O. S. 85). Ich glaube aber, daß gerade diesesMotiv alt ist und auf frühe Überlieferungen zurückgeht, die zu denElementen der ältesten Gralsage gehören.

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